Shopping im Berufsverkehr
Rio, im Taxi auf dem Weg ins Hotel. Vier Spuren gen Süden, vier in nördlicher Richtung, keine leer. Schwüle 29 Grad draussen, gefühlte 18 Grad im Wagen. Ich mag keine Klimaanlagen, hier vielleicht doch. Aus den Lautsprechern schallt Musik aus den 80er Jahren, mit 96 kbps kodierte MP3s.
Autos, die plötzlich die Fahrspur wechseln und dem mit einer Wagenlänge Abstand folgenden Taxi, deren Fahrerin nebenbei munter das Handy bedient, im letzten Augenblick den Blick auf die stehende Schlange frei geben. Moppeds mit Funzellicht hinten und mit ohne Licht vorne, die sich hupend und mit einer Mischung aus Geschick und Furchtlosigkeit durch den Verkehr schwingen. Alle paar Minuten quetscht sich ein laut tönender Notarztwagen durch.
Aber das ist alles nichts im Vergleich zu den mit Taschen behangenen Typen in T-Shirts, die zwischen den Spuren stehen, um kurzzeitige Stillstände im Verkehr zum Verkauf ihrer Waren zu nutzen.


Ich spiele schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mir irgendwann ein Fernreisemobil zuzulegen. Damit meine ich ein weitgehend autarkes und geländetaugliches Fahrzeug, dass nicht mit Elektronik vollgestopft ist und in der Sahara genauso gut funktioniert wie auf den Hochebenen Nepals. Ein Fahrzeug, das genügend Platz bietet, zwei Schlafplätze im Aufstelldach und mit einem Innenausbau einschließlich Trinkwasseraufbereitung auch Reisen in Länder ermöglicht, deren Infrastruktur weit unterhalb des europäischen Standards liegt. Eine verrückte Idee, die irgendwann wieder verschwindet, dachte ich mal – tut sie bislang aber nicht.
“If you don’t follow your dreams, you might as well be a vegetable”, sagte Burt Munro einmal, und fuhr einfach los.
Letztens, im Airbus A319 auf dem Flughafen Zürich: Wir standen in der Warteschlange vor der Startbahn und näherten uns langsam der Pole Position. Im Flugzeug war die Innenbeleuchtung bereits abgedunkelt, vereinzelt eingeschaltete Leselampen an der Unterseite der Gepäckablage erhellten den Lesestoff, den der eine oder die andere in den Händen hielt. Die Lampe schräg über mir warf ihr Licht auf die Begriffserklärungen am Anfang eines Buchs über IT-Unternehmensarchitektur, das zwar prinzipiell nicht uninteressant war, aber keineswegs mit einem guten Thriller von Minette Walters oder Ian Rankin mithalten konnte.