In Hannovers Erotikladen Liebhabereien lasen am Donnerstag Abend Wiebke Eymess und Herbert Braun selbstgeschriebene erotische Geschichten. Beide schreiben für das erotische Kulturmagazin Feigenblatt. Rund 20 Gäste hatten sich auf weißen Plastikstühlen im vorderen Geschäftsraum eingefunden und lauschten entsprechend der von Wiebke zitierten Weisheit “Lesen und Schreiben ist billiger Sex, Vorlesen und Zuhören aber ist Liebe” den beiden Autoren und in den Pausen Sebastian Benedikt, der kurze Liebeslieder auf der Gitarre sang.
Herbert Braun war, wie er ohne Widerspruch aus dem Publikum meinte, für das Fleischliche zuständig. Seine beiden Hauptgeschichten waren jeweils sehr real. Die erste war eine Premiere, deren Veröffentlichung noch bevorstand. Sie handelt von den sexuellen Erinnerungen eines Mannes an eine ehemalige Freundin, während er mit seiner Frau einen Spaziergang macht. Sie wurde durch eine Spur von Traurigkeit begleitet und erfreut mit einem aus meiner Sicht schönen und durchaus realistischem Ende. Die zweite Geschichte glitt teilweise in eine fast schon ekstatische Traumsequenz am Strand ab, in der sich ein Mann mit zwei Frauen wie in Trance vergnügt. Fast jeder Mann dürfte sich dies zwar wünschen, aber die wenigsten vermutlich je erleben.
Die Geschichten von Wiebke Eymess hatten für mich eine etwas abstraktere Note. Ich empfand sie als etwas kühler, distanzierter als die von Herbert Braun, sie machten aber auch etwas nachdenklicher und hatten damit abseits des erhörten Genuss eine längere Nachwirkung. Ihre Geschichten haben wir später in der spanischen Bar Celona dementsprechend auch etwas länger interpretiert. Insbesondere ihre erste Geschichte, von der Frau die “den Sex verlernt hat” und nun mit Gefühlen konfrontiert wird, gefiel der Frau an meiner Seite sehr gut.
Es war meine zweite Lesung im Liebhabereien. Wie beim ersten Mal gefiel mir die nette Atmosphäre mit den Regalen mit stramm stehenden Dildos und Vibratoren im Rücken der Autoren und den nur durch eine Auslage mit Vampir-Lederkorsett, Handschellen und anderem Spielzeug von der freien Einblick erlaubenden Schaufensterscheibe getrennten Gästen. In den Pausen bummelten die Gäste durch den kleinen Laden. Stoffe wurden befühlt, Duftöle berochen, Dildos betrachtet und Vibratoren in der Handfläche beurteilt. Dazu gab es Gespräche über das Feigenblatt und erotischer Kunst im Allgemeinen.