Archiv für die Kategorie ‘Deutschland’

Gleiche Maßstäbe?

Wenn ein IT Administrator in fremden Emails stöbert und die Inhalte an Dritte weitergibt, kann ihm fristlos gekündigt werden – aus meiner Sicht auch vollkommen zu Recht. Die technische Möglichkeit, etwas zu tun, ist eine Sache – das dazugehörige verantwortliche und vertrauensvolle Handeln eine andere. Zu behaupten, ihm wäre nicht bewusst gewesen, unrechtmäßig zu handeln, ist ungefähr so glaubwürdig wie ein Berufskraftfahrer, der nach einem Auffahrunfall behauptet, er wüsste nicht, dass man ein Fahrzeug bremsen muss.

Am gleichen Tag stand im gleichen Newsticker eine Mitteilung, dass der Vorstand der CDU-Fraktion in Geldern die Emails von seinen Fraktionsmitgliedern abfängt. Die Fraktionsspitze findet dies laut der Heise News auch ganz in Ordnung: man vergleiche die Emails mit Postkarten, die man ja auch lesen dürfte. Dieses Maß an Unwissenheitheit ist aus meiner Sicht ebenso glaubhaft, wie die fiktive Ausrede des Berufskraftfahrers.

Ich bin gespannt, ob in Geldern mit dem gleichen Maßstab gehandelt wird, wie bei dem IT Administrator. Der erhält übrigens keine Pensionszusage und muss sich nun einen neuen Job suchen.

Das Wunder der Politik-Verdrossenheit

Letztens beklagte sich im Hinblick auf die geringe Wahlbeteiligung wieder einer unserer Volksvertreter über die zunehmende Politik-Verdrossenheit. Mich wundert eher, dass sie noch zunehmen kann und die Sättigungsgrenze noch nicht erreicht ist. Wenn ich zum Beispiel daran denke, dass unsere Bundesjustizministerin im Zuge der Interviews zur Vorratsdatenspeicherung im achten Jahr nach Beginn des “Informationszeitalters” öffentlich fragt, was ein Browser ist, dann verschlägt es mir die Sprache. Wenn dem hessischen Ministerpräsidenten im Zuge der Debatte um die hohen Managementgehälter nichts besseres einfällt als darauf hinzuweisen, dass man schon einen Schritt weiter wäre, wenn man sein Gehalt erhöhen würde, dann verblüfft mich höchstens noch seine Dreistigkeit.

Höhere Strafe für den Ziegelstein

Heute morgen hörte ich auf der Fahrt zur Arbeit im Radio von den drei Münchener Jugendlichen, die andere Fahrgäste geschlagen und einen von ihnen mit einem Ziegelstein beworfen haben, weil sie gebeten/aufgefordert wurden, ihre Musik in der U-Bahn etwas leiser zu stellen. Ich möchte jetzt nicht über die Motive dieser bedauernswerten Gestalten spekulieren, deren Leben offensichtlich so leer ist, dass sie mit einer derartigen Wut durch das Leben gehen und einen der höchsten menschlichen Werte, das Mitgefühl für andere, anscheinend verloren haben.

Fühlte ich bei diesem weiteren Beispiel einer zunehmend globalisiert-verrohenden Gesellschaft schon ein beklemmendes Gefühl, hätte ich nach den ersten Politiker-Kommentaren kotzen können. Bayern Justizministerin Merk forderte sogleich die Höchststrafe für das Jugendstrafrecht von 10 auf 15 Jahre zu erhöhen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Vorfall glücklicherweise noch halbwegs glimpflich abgelaufen ist und eine Höchststrafe in diesem Fall wohl kaum in Frage käme: meint Frau Merk wirklich, dass sie damit das Problem löst? Ich sehe schon den nächsten Jugendlichen bildlich vor mir in der U-Bahn:

“Nee, ich werfe keinen Ziegelstein mehr. Bei 10 Jahren hätte ich ja noch geworfen, aber 15 sind mir zu viel”.

Dieter Nuhr hat den Spruch geprägt “wenn du keine Ahnung hast, einfach mal die Fresse halten”. Wenn ich mir anschaue, was zumindest in den großen Städten alltäglich auf den Schulhöfen passiert, dass es Menschen gibt, die nicht nur Spass daran haben andere zusammen zu schlagen sondern dies auch noch zu filmen, würde mich vielmehr die Antwort auf die Frage interessieren, wie man diesen Empathieverlust aufhalten und wieder rückgängig machen kann. Ich bezweifele, dass die Antwort im Bereich des Strafrechts zu finden ist.

Geständnis eines potentiellen Terroristen

Ja, ich gestehe: ich bin ein potentieller Terrorist, mit der Betonung auf “potentiell”. Zwar ist es mehr als zwei Jahrzehnte her, dass ich meinen Unmut in gewalttätiger Form – eine kleine Prügelei auf dem Gymansium; meine erste und letzte – kund getan habe, aber das muss ja nichts heißen und unabhängig davon kann das unser Innenminister nicht wissen. Er kennt mich ja gar nicht und will mich vermutlich auch gar nicht kennen lernen. Ich habe damit aber nicht wirklich ein Problem. Wer will sich schon mit einem potentiellen Terroristen treffen.

Ich gebe es zu, ich war viel zu lange viel zu egoistisch. Wer bin ich schon? Ich war noch nie Opfer eines Anschlags, ich kann da gar nicht mitreden. Bei unserem Innenminister ist das anders: er weiß leider wie es ist, ein Opfer zu sein – etwas was man keinem wünscht, auch ihm nicht. Dass so ein Erlebnis eventuell dafür sorgt, dass das Denken in etwas schmaleren Bahnen verläuft, nur noch auf das blanke Überleben ausgerichtet ist, ist für mich verständlich. Es erscheint mir zwar etwas ungewöhnlich, dass ein Gewaltopfer die Gelegenheit bekommt, sich an seinen Tätern in dieser globalen Form zu rächen – aber vielleicht ist es diese Opfererfahrung, die einen Mehrweit im Sicherheitsdenken bringt.

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Route des Grandes Alpes

coldugalibier suedseite Route des Grandes AlpesAuch wenn meine 2007er Tour in meinen Tournotizen unter dem Stichwort ‘France 2007′ lief, das eigentliche Ziel war die Route des Grandes Alpes. Es ist eine Route über die Alpen, das war mir schnell klar – es ist die Route über die Alpen, sagen viele. Es heißt, sie wäre die Königin der Alpenstraßen. Sie führt von Thonon-les-Bains im Süden des Genfer Sees bis Menton an das Mittelmeer. Knapp 700 Kilometer über 15 Pässe, der höchste davon erreicht fast 2.800 Meter. Leider waren die Informationen zu der Route sehr spärlich und verstreut und häufig auch in französisch. Mit diesem persönlichen Tourbericht möchte ich daher auch einen umfassenden Überblick geben.

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