Half a Sunday in London
Sonntag war mein letzter Tag in London, eigentlich auch nur ein halber – am späten Nachmittag wartete mein Flieger bzw. genau genommen würde er nicht warten, ich mußte also pünktlich da sein. Die Idee, ein zweites Mal um den Hyde Park zu laufen, verwarf ich nach Kenntnisnahme des tauben Gefühls in den Beinen. Nach einem ausgiebigen Frühstück – diesmal hatte ich nicht den Tisch 7 – fuhr ich mit der Underground zu Embankment Station, um dann zu Fuß über den Trafalgar Square bis zu dem House of Parliament zu laufen: einmal kurz einen Blick auf den Big Ben und den Jewel Tower werfen. Eigentlich wollte ich auch noch im Kreuzgang des Westminster Abbey einen Kaffee schlürfen (Tipp aus dem Reiseführer), leider ist das Gebäude Sonntags für Touristen geschlossen.

Gegen halb fünf das Licht ausgemacht, um kurz nach neun am Frühstückstisch – das mußte reichen, man ist ja nicht ständig in London. Mir wurde wieder Tisch 7 zugeteilt. Nehmt nie den Tisch 7 im Phoenix Hotel in Kensington Square Garden. Nie. Es ist ein schmaler Tisch für bestenfalls zwei Personen in einem schmalen Durchgang. Links und rechts ist jeweils ein Meter Platz und durch diese Enge strömen ständig Leute, um sich am Frühstücksbuffet zu bedienen. Der Windzug schlägt einem die Seiten im Buch um, in dem man gerade liest. Auch dann, wenn man sie mit einem Lesezeichen beschwert. Die Lektion von diesem Blog Posting: nie den Tisch 7 nehmen.
Andere Länder, andere Sitten. Ein großes “Please wait to be seated”-Schild zeigte an, dass die freie Platzwahl nicht zum Standardfrühstück gehört. Das Frühstücksbuffet selbst gefiel mir sehr gut – es war sehr spartanisch und beugte damit einer weiteren Gewichtszunahme vor – für 95 EUR die Nacht inkl. Frühstück kann man in London nicht sehr viel verlangen (mir reichte es auch vollkommen). Im englischen Nieselregen fuhr ich mit der Underground über King´s Cross raus nach Hertford, einem kleinen, netten Städtchen am nördlichen Rand von London.
Nach zwei Tagen Schweiz hieß es dann am Donnerstag abend endlich “mal wieder in London” – so häufig ist man da ja nicht. Viel Zeit hatte ich nicht, am nächsten Tag wartete Arbeit, aber nicht viel heißt ja nicht keine. Das Hotel am Kensington Garden Square war schnell gefunden und für den – für London – sehr günstigen Preis durchaus ok. Der Vorschlag des Reisebüros, über die die Firma die Hotels bucht, wäre sicher komfortabler gewesen – aber die dritte, privat angehängte Nacht geht auf meine Rechnung und 280 EUR fand ich dann doch “etwas” happig.
Die letzten Tage war ich mit einem Kumpel aus meiner Nürnberg-Zeit unterwegs – eine der wenigen Verbindungen, die die Distanz überlebt hat. Er kam mit seiner 600er Suzuki Bandit und der naiven Vorstellung, dass eine Motorrad-Tagestour über 150 bis maximal 300 Kilometer geht. Gut, diese Vorstellung verflüchtigte sich spätestens am Freitag, nachdem ich ihn runde 500 Kilometer durch das Weserbergland geführt hatte.