Heute morgen hörte ich auf der Fahrt zur Arbeit im Radio von den drei Münchener Jugendlichen, die andere Fahrgäste geschlagen und einen von ihnen mit einem Ziegelstein beworfen haben, weil sie gebeten/aufgefordert wurden, ihre Musik in der U-Bahn etwas leiser zu stellen. Ich möchte jetzt nicht über die Motive dieser bedauernswerten Gestalten spekulieren, deren Leben offensichtlich so leer ist, dass sie mit einer derartigen Wut durch das Leben gehen und einen der höchsten menschlichen Werte, das Mitgefühl für andere, anscheinend verloren haben.
Fühlte ich bei diesem weiteren Beispiel einer zunehmend globalisiert-verrohenden Gesellschaft schon ein beklemmendes Gefühl, hätte ich nach den ersten Politiker-Kommentaren kotzen können. Bayern Justizministerin Merk forderte sogleich die Höchststrafe für das Jugendstrafrecht von 10 auf 15 Jahre zu erhöhen. Mal ganz abgesehen davon, dass der Vorfall glücklicherweise noch halbwegs glimpflich abgelaufen ist und eine Höchststrafe in diesem Fall wohl kaum in Frage käme: meint Frau Merk wirklich, dass sie damit das Problem löst? Ich sehe schon den nächsten Jugendlichen bildlich vor mir in der U-Bahn:
“Nee, ich werfe keinen Ziegelstein mehr. Bei 10 Jahren hätte ich ja noch geworfen, aber 15 sind mir zu viel”.
Dieter Nuhr hat den Spruch geprägt “wenn du keine Ahnung hast, einfach mal die Fresse halten”. Wenn ich mir anschaue, was zumindest in den großen Städten alltäglich auf den Schulhöfen passiert, dass es Menschen gibt, die nicht nur Spass daran haben andere zusammen zu schlagen sondern dies auch noch zu filmen, würde mich vielmehr die Antwort auf die Frage interessieren, wie man diesen Empathieverlust aufhalten und wieder rückgängig machen kann. Ich bezweifele, dass die Antwort im Bereich des Strafrechts zu finden ist.