Von Braunschweig nach Kiel

luebeck coffilio Von Braunschweig nach KielWer sich wundert, was die Ostsee mit einer Amsterdam Tour zu tun hat – das ist ein Bogen in der Anfahrt. Der erste Tag war zudem etwas kürzer, da zunächst die 6000 Kilometer Wartung anstand. Die 6000er Marke habe ich zwar nicht ganz geschafft, etwas mehr als 5.700 Kilometer standen dann am Montag morgen aber schon auf dem Tacho. Die Wartezeit von zwei Stunden wurde mit dem Frühstücksbuffet beim Alex am Klagesmarkt in Hannover überbrückt, diesmal rollte der bereitgestellte Roller sogar problemlos. Anschließend ging es wieder kurz in die Firma, um das dort zuvor deponierte Gepäck auf die Maschine zu werfen. Um viertel vor zwölf hieß es dann “See ya, Hannover”.

Da ich nicht viel Zeit mit dem Rumrollen auf Landstraßen vertrödeln wollte, die ich jederzeit auch direkt von Braunschweig in Tagestouren erreichen kann, wurden erst einmal auf der Autobahn Kilometer verbrannt. Durch die Verkleidung der GSX750F läßt es sich bei Geschwindigkeiten bis 160 km/h sehr angenehm und entspannt fahren, die Strecke bis zur Abfahrt Ahrensburg auf der A1 im Osten von Hamburg war daher schnell überbrückt.

ostsee hinterland Von Braunschweig nach KielSeen haben eine unglaubliche Anziehungskraft auf mich, somit zog es mich in Richtung Großensee um dann an der Nordwest-Seite der größeren Teiche entlang über Schönberg, Labenz, Kastort und Oberbüssau in Richtung Lübeck zu rollen. Grüne Flächen, wohin man blickt. Als Trennung dienen häufig einzelne Baum- oder Büschreihen. Ich mag die räumliche Weite, die das flache Land zu bieten hat. Fahrerisch ist die Strecke weniger anspruchsvoll, durch die stetig geschwungene Landstraße aber trotzdem sehr angenehm zu fahren.

Lübeck? Mir war so, als ob es in Lübeck irgendein Bikertreff gab. Kurz den PDA rausgeholt – stimmt, das Rider’s Cafe. Leider war es zu, mit seinen schwarz mit Flammen angemalten Ölfässern wirkte es schon arg “Born to be Wild” mäßig. Schade, dass es noch nicht auf hatte. Also ging es in die Innenstadt auf die Suche nach einem netten Cafe. Das Zentrum in Lübeck ist aufgeteilt in eine richtige Fußgängerzone und ein paar Straßen, die nur von Bussen, Taxis und Fahrradfahrern benutzt werden dürfen. Nun ja, ein Motorrad ist ja prinzipiell einem Fahrrad ähnlich und Busse und Taxis haben auch Motoren.

luebeck riderscafe Von Braunschweig nach KielJedenfalls bin ich so auf das Coffilio gestossen, wo es einen sehr guten Latte Macchiatto gab. Bedient wird nicht, man holt sich die Sachen direkt an der Theke ab (was aufgrund des auf der anderen Seite der Straße stehenden bepackten Motorrads etwas unschön ist). Das Verlassen von Lübeck war eine Katastrophe, es war als ob die Stadt einen festhalten wollte. Berufsverkehr mit komplett überfüllten Straßen und für norddeutsche Verhältnisse sehr ungewohnte Verhaltensweisen, die mich eher an Südeuropa erinnert haben. Vielleicht lag es auch einfach nur an der glühenden Sonne und der damit verbundenen Hitze.

luebeck Von Braunschweig nach KielUm dem Berufsverkehr zu entfliehen ging es kurz auf die A1 in Richtung Neustadt in Holstein, allerdings schon ab der Abfahrt Ratekau wieder auf die Landstraße. Zu meiner Überraschung sah ich vorher ein Abfahrtsschild für Bad Schwartau. Sollte dies vielleicht der Ort sein, von dem die bekannte Marmelade stammt? Irgendwie habe ich damit immer einen erzkonservativen Ort in Bayern verbunden, ich weiß auch nicht warum. Wie auch immer, die Marmelade stammt tatsächlich aus dem Bad Schwartau bei Lübeck – schmecken tut sie sowieso.

Ab der Abfahrt Ratekau ging es über Kreuzkamp, Grammersdorf und Wilmsdorf um den Hemmelsdorfer See, über Niendorf dann zum Timmendorfer Strand. Die Route um den See hatte ein gewisses Etwas. Ich fuhr gegen den von der Ostsee her wehenden, kühlen und frischen Meereswind eine von hohen Büschen begrenzte Straße entlang. Der Timmendorfer Strand entpuppte sich dagegen als das erwartete Touristenkaff. Eine lange Straße führt relativ nah hinter dem Deich am Strand entlang, zumindest im Zentrum kann sie auch nur in einer Richtung befahren werden (von Süden in Richtung Norden). Überall Lokale und Ferienwohnungen, die generelle Atmosphäre entsprach einem Kurort für Alzheimerpatienten. Vielleicht lag es auch an dem frühen Zeitpunkt, die Hochsaison beginnt da erst später.

ostsee fehmarn Von Braunschweig nach KielAm Morgen hatte ich mich im Alex beim Anblick der Karten spontan entschlossen, einen Abstecher nach Fehmarn zu machen, wenn die Zeit reicht. Man muß sich die Zeit einfach nehmen. Über Groß Timmendorf, Grellberg und Luschendorf (das Dort heißt wirklich so) ging es wieder auf die A1 gen Norden. Bester Asphalt, links und rechts Wildfangzäune, fast kein Auto unterwegs und ich hatte das Baby noch nicht ausgefahren. Erste Erkenntnis: in geduckter Haltung sind laut Tacho 235 km/h mit Gepäck problemlos drin, wenn man länger am Gas bleibt vermutlich auch mehr. Positiv: die Maschine pfeilt sich dabei stabil die Gerade entlang, keine Unruhe zu spüren. Zweite Erkenntnis: das braucht man nicht wirklich. Entweder richtet man sich auf, fährt nur noch 210 km/h und hadert mit dem barbarischen Winddruck oder man sitzt in geduckter Haltung und fragt sich, was das eigentlich noch mit Reisen zu tun haben soll. Mit 160 km/h kommt man auch an und zwar deutlich bequemer und zudem auch sicherer. Ok, probieren mußte man es halt mal.

Auf der Karte war im Osten von Fehmarn ein Leuchtturm eingezeichnet, den ich meinte unbedingt sehen zu müssen. Über die Fehmarnbrücke ging es auf die Insel und bis Burg auf Fehmarn. Von dort über Sahrensdorf nach Staberdorf, ab da ist der Leuchtturm ausgeschildert. Die Straße ist ab Burg auf Fehmarn schön geschwungen und macht Spaß, den Leuchtturm kann man sich aber auch sparen. Erwartet hatte ich ein schönes, altes rot-weißes Gemäuer – gefunden habe ich eine Betonsäule mit ein paar Schüsseln dran.

Über die Fehmarnbrücke ging es dann wieder auf das Festland bis Oldenburg und dort auf die B202 in Richtung Kiel. Die Bundesstraße ist landschaftlich sehr schön, haut einen kurvenmäßig aber auch nicht vom Hocker. Irgendwann sah ich, dass etwas weiter südlich wieder einige Seen eingezeichnet waren. Ein kurzer Blick: da liegt ja die Stadt Plön mitten drin. Ab Lütjenburg ging es auf die B430 in Richtung Plön. Das war eine sehr gute Idee. Eine traumhafte Strecke, abwechselnd von Wäldern, Büschen und Wiesen gesäumt, führt verschlungen bis nach Plön. Keine Schlaglöcher, wenig Verkehr – wenn es nicht schon so spät gewesen wäre, wäre ich umgedreht und hätte sie ein zweites Mal durchfahren. Die Bundesstraße von Plön nach Kiel über Preetz hält dem Vergleich nicht stand. Sie ist nett, aber wie die B202 auch nicht umwerfend.

Nach 499 Kilometern Tagestour war ich dann in Kiel. Für die Übernachtung hatte ich das Hotel Astor ausgesucht, dass direkt an der Fußgängerzone liegt und relativ günstig ist. Ein älterer Rechteckbau, der etwas verschmutzt aussieht und auch sonst keine Augenweide ist, zweckdienliche Zimmer und ein brauchbares Frühstück – was will man mehr. Wer sich am Morgen etwas Zeit nimmt, sollte allerdings das Frühstück nicht im Hotel einnehmen, sondern in das Alex gehen, dass etwa 500 m nördlich in der Fußgängerzone liegt. Das Frühstücksbuffet kostet dort die üblichen knapp 5 EUR zzgl. Getränke und ist deutlich reichhaltiger.

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