Eindrücke von der Abenteuer und Allrad

Ich spiele schon seit einiger Zeit mit dem Gedanken, mir irgendwann ein Fernreisemobil zuzulegen. Damit meine ich ein weitgehend autarkes und geländetaugliches Fahrzeug, dass nicht mit Elektronik vollgestopft ist und in der Sahara genauso gut funktioniert wie auf den Hochebenen Nepals. Ein Fahrzeug, das genügend Platz bietet, zwei Schlafplätze im Aufstelldach und mit einem Innenausbau einschließlich Trinkwasseraufbereitung auch Reisen in Länder ermöglicht, deren Infrastruktur weit unterhalb des europäischen Standards liegt. Eine verrückte Idee, die irgendwann wieder verschwindet, dachte ich mal – tut sie bislang aber nicht.

Land Rover Defender 110Unabhängig von ungelösten finanziellen und zeitlichen Fragen beschäftigt mich die Frage, welche Art von Fahrzeug konkret in Frage kommen würde. Die Messe „Abenteuer und Allrad” in Bad Kissingen war eine willkommene Veranstaltung, um mir selbst einen Überblick zu geben und meiner Gefährtin die Möglichkeit zu geben, sich die Fahrzeuge einmal aus nächster Nähe anzuschauen. Meine Eindrücke sind selbstverständlich sehr subjektiv: ich war nur einen Tag dort, schaute mir nur das an, was mich interessierte und was in einer prinzipiell realistischen Preisklasse lag.

Ein ehemaliger Kollege, der sich vor einigen Jahren eine längere Auszeit genommen hatte, um soweit möglich auf dem Landweg bis Australien zu reisen, hatte mir einmal gesagt, dass es im fünfstelligen EURO-Bereich mehr oder minder zwei häufig genutzte Fahrzeuge gibt, mit denen man um die Welt reisen kann: den Land Rover Defender, weil egal wo der liegen bliebe, sich jemand fände, der ihn reparieren könne, und den Toyota Landcruiser „heavy duty”, weil der nicht liegen bleiben würde. Freundes des Defenders können dies natürlich als neidische Bemerkung eines Landruiser-Fahrers abtun, damit war der Kollege nämlich unterwegs.

Land Rover Defender 110 Testride: da gings hochDie „heavy duty” Reihe des Toyotas, die sich derzeit in den Modellbezeichnugen HZJ78 und HZJ79 wieder findet, gibt es in Europa leider nur indirekt. Mein Versuch über Toyota Deutschland Informationsmaterial anzufordern, scheiterte schon daran, dass mein Gegenüber weder wusste, was ein „heavy duty” ist, noch etwas über die Modelle HZJ78 oder HZJ79 in seinem Computer fand. Vermutlich handelte es sich auch um so einen armen Zeitgenossen, der im Urlaub früh aufsteht, um mit einem Handtuch seine Liege zu reservieren.

Elektronische Unterstützung im CockpitGlücklicherweise gibt es ein paar Toyota Händler, die einen HZJ78 aus Australien importieren und für die deutsche Zulassung (Abgasnorm) umrüsten können. Dazu gehört z.B. der Toyota Händler Toebben in Hannover, oder Tom’s Fahrzeugtechnik in Markt Bibart. Letzterer war auf der Messe mit mehreren Umbauten vertreten – ebenso einige Ausrüster, die einen HZJ78 durch Aufstelldächer oder Innenausbau zum Reisemobil aufwerten.

Insgesamt dominierte aber der Land Rover Defender das Ausrüsterspektrum – mehr, als ich erwartet hatte. Es gab fast nichts, was es für den Defender nicht gab. Der Toyota HZJ78 ist zwar nach wie vor für mich im Rennen, hat aber durch die Messe mit dem Land Rover Defender 110 zumindest einen Konkurrenten bekommen. Klarer Vorteil für den Toyota aus meiner Sicht: der praktisch unzerstörbare 4.2l Diesel-Sechszylinder (mit einem leider anscheinend alles andere als unzerstörbaren Getriebe). Klarer Vorteil für den Land Rover: günstiger und mehr – und anscheinend auch preiswertere – Auswahl bei den Ausrüstern.

Innenausbau eines Land Rover Defender 110Sehr informativ war für mich auch das Angebot an Schlafoptionen. Neben diversen Varianten von Dachzelten, die mir weniger zusagen, da ich in der Steppe von Botswana oder sonstwo direkt vom Bett zum Fahrersitz gelangen möchte, ohne erst draussen um das Auto zu laufen, gab es eine Vielzahl an Aufstelldächern. Unter anderem auch solche, die an der Längsseite statt an der Dachfront des Fahrzeugs klappen und teilweise dabei auch noch eine Dachlast zulassen (z.B. für Solarzellen oder fest sitzende Gepäckstücke).

Toyota Landcruiser HZJ78, heavy duty, abfahrfertig für die WüsteAm Anfang des Messegeländes waren wir auf dem Stand einer französischen Firma, die flache Lattenroste anbot – nach meiner Schätzung vielleicht 6 cm hoch. Die beste Frau von allen hatte die flachen Lattenroste natürlich sofort in ihr Herz geschlossen. Zusammen mit der Matraze und dem Schlafsack, den ich natürlich möglichst beim Einklappen des Dachs liegen lassen möchte, komme ich auf einen Platzbedarf von knapp 15 cm oberhalb des Bodens im Dachzelt. Eine weniger schöne Erkenntnis: viele Aufstelldächer bieten zu wenig Platz, hier fehlten häufig rund 5 cm.

Viele Anbieter setzen eine komplette Kabine auf den Rumpf des Autos. Diese Kabinen bieten zwar mehr Raum als die reinen Innenausbauten, erscheinen mir aber auch weniger stabil – zumindest bei den normalen Wohnmobil-Aufbauten. Wenn ich auf irgendeiner Gebirgsstraße mit der Seite in die Felswand rutsche oder mir in Indien irgendein auf sein gutes Karma pochender Bus ins Heck fährt, möchte ich zumindest sicher sein, dass ich anschließend weiter fahren kann. Die Kabinen, wie sie von Tom’s Fahrzeugtechnik oder Custom Campers angeboten werden, bieten aber schon etwas mehr Raum – speziell im Hinblick auf das Bett im Dach. Sie sehen auch stabiler aus, als die üblichen Wohnmobil-Aufbauten – ich werde sie im Auge behalten.

Land Rover Defender 110, fertig ausgebautNicht fündig wurde ich bei den Sitzen. Zwar gibt es durchaus bequemere Sitze als die serienmäßigen Sitze – beim Toyota verbaut der zu breite Original-Beifahrersitz zudem die Durchgangsmöglichkeit nach hinten – einen drehbaren fand ich aber nicht. Meine Idee ist, sowohl den Fahrer- wie auch Beifahrersitz ähnlich wie bei den größeren Wohnmobilen drehen zu können, um sie gleichzeitig als Sitzgelegenheit zum Innenraum zu nutzen.

Land Rover Defender im TestparcourBei einem Gespräch mit einem Niederländer, der an der Längsseite aufklappbare Aufstelldächer verkauft und dieses an seinem privaten Defender 110 auf der Messe ausgestellt hat, erfuhr ich aber, dass es Untersätze gibt, um normale Sitze drehbar zu gestalten. Hätte mich auch gewundert, wenn noch keiner diese Idee gehabt hätte.

Der Innenausbau des Niederländers war im Hinblick auf geringe Ausbaukosten interessant. Mit wenig Holz und ein paar Plastikkästen hat er sich etwas Stauraum geschaffen, um mit seiner Frau vier bis sechs Wochen unterwegs zu sein. Erstaunlich, dass die Kleiderkiste für seine Frau nicht größer war als seine eigene – endlich einmal Gleichberechtigung beim Packen. Dafür gab es keine alternative Schlafmöglichkeit, wenn vom Sturm gepeitschter Regen ein Aufstellen des Daches verbietet. Die Aufstelldächer sollen zwar angeblich regendicht sein – das glaube ich aber erst, wenn ich es gesehen habe.

Dachvarianten beim Toyota Landcruiser HZJ7xDas Zubehörangebot auf der Messe umfasste nach meiner noch sehr laienhaften Einschätzung alles, was das Fernreiseherz beehrt. Wasseraufbereitungsanlagen für Trinkwasser, Zusatztanks in Größenordnungen, die für Distanzen mit vierstelliger Kilometerzahl reichen, Seilwinden, Kühlboxen, Fahrwerksverstärkungen, Reifen in diversen Profilvarianten, und so weiter und so fort.

4.2 Liter Sechszylinderdiesel im Toyota Landcruiser HZJ7xBei den Anbietern für den Innenausbau habe ich mir ein paar Eindrücke verschaffen können. Letztendlich habe ich noch wenig Vorstellung, wie ich mir das alles vorstelle – ich habe ja noch nicht einmal ein Fahrzeug. Auch die elektronische Seite war vertreten: wer Satellitentelefone, Navigationsgeräte oder Outdoor-Notebooks sucht, wäre auf eine ganz passable Auswahl gestoßen.

Fazit

Mich hat die Abenteuer und Allrad 2009 positiv überrascht. Ich hatte eine Messe erwartet, in der hauptsächlich SUV- und Geländewagentreiber bedient werden, die diese Gefährte auf gut asphaltierten Straßen bewegen. Nach meiner Einschätzung war der größere Teil der Aussteller aber auf Menschen ausgerichtet, die genau das suchen, das ich suche: ein Auto, um fremde Länder außerhalb Europas zu erkunden, wo es weder Bundesstraßen noch Route Nationales gibt. Menschen, die nicht nur davon träumen wollen, wie es ist nachts unter dem klaren und kalten Himmel in der Sahara zu liegen und sich von dem Strahlen der Sterne blenden zu lassen.

Toyota Landcruiser HZJ7x mit KabinenaufbauDie Messe liegt etwas außerhalb von Bad Kissingen. Vom kostenfreien Parkplatz im nördlichen Teil der Kleinstadt wurde ein kostenloser Shuttle-Service angeboten, der auf der einige Kilometer weiten Strecke pendelte. Das Messegelände ist prinzipiell ein Freigelände. Einige Stände befanden sich unter großen Zeltdächern, andere hatten eigene Zeltdächer dabei. Für die Unterhaltung und Verköstigung war auch gesorgt. Es gab einen großen Biergarten, Wurst- und Flammkuchen- und Eisstände, für die sportliche Betätigung eine Kletteranlage.

Die Atmosphäre war gerade bei den kleineren Anbietern, die ihre Produkte häufig am eigenen Fahrzeug zeigten, familiär. Positiver Nebeneffekt: durch die Erfahrungen aus eigenen Reisen konnten sie auch gleich Hintergründe liefern. Die großen Anbieter sorgten für etwas Unterhaltung: mit einem Militärhummer konnte man sich über eine Teststrecke brettern lassen (war witzig) – Land Rover machte selbiges in etwas komfortabler Form auf einem eigenen Testparcours. Meine erste Geländefahrt im Defender 110 habe ich daher auch schon hinter mir – leider nicht am Steuer.

Ich war im wesentlichen auf der Messe, um mir einen Überblick zu verschaffen. Den habe ich bekommen, ich war nicht zum letzten Mal dort.

2 Kommentare zum Artikel “Eindrücke von der Abenteuer und Allrad”

  1. Das liest sich beileibe nicht so als würde dir diese “Idee” in absehbarer Zeit wieder aus dem Kopf gehen. ;-) Ich bin gespannt, wie’s weiter geht.

    • Ich auch … ;-)

      Es ist eine Idee, die sich nicht so einfach realisieren lässt, jedenfalls nicht kurzfristig. Aber bekanntlich werden auch lange Strecken im Laufe der Zeit kürzer, wenn man beständig in die richtige Richtung geht.

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