Buschtaxi-Treffen 2009

Buschtaxi mit Aufstelldach (Toyota Landcruiser HZJ78)Mein Interesse an Fernreisemobilen hatte ich ja schon gestanden. Am zweiten September-Wochenende fand in Buseck-Beuern, etwas nordöstlich von Giessen, das jährliche Buschtaxi-Treffen statt. Als Buschtaxi werden die äußerst robusten und zuverlässigen Toyota Landcruiser der „Heavy Duty”-Reihe bezeichnet, wie sie z.B. in Afrika zum Einsatz kommen. Zwar war mir bewusst, dass sich auf dem Buschtaxi-Treffen auch viele Leute rumtreiben, die ihren Toyota Allradler nur in der Sandkuhle am Ortsrand bewegen – einige ausgebaute HZJ78 erwartete ich aber schon.

Wir waren erst am Samstag Nachmittag angereist. Mein Interesse galt speziell einem Vortrag über die Seidenstraßen von Andreas und Ute aus Berlin. Die beiden sind bereits zweimal entlang der Seidenstraßen – Mehrzahl, es gibt nicht die eine – unterwegs gewesen: in 2001/2002 ein Jahr, in 2006/2007 sogar 18 Monate. Auf ihrer Website Heart of Silkroad finden Interessierte nützliche Informationen.

Leider hatte ich nur den Vortragsplan vom Vorjahr dabei – ich war in meiner Vorfreude anscheinend zu dusselig gewesen, den vom aktuellen Treffen auszudrucken. Den Seidenstraßen-Vortrag gab es daher nicht, Andreas und Ute waren aber trotzdem vor Ort um von ihren Erfahrungen als Langzeitreisende zu berichten. Die Fragestunde begann wenige Minuten nach unserer Ankunft, Glück im Unglück. Aus der Fragestunde wurden knapp zwei. Ö?ußerst nützliche Informationen im Rahmen eines lockeren Vortrags wurden gepaart mit ausführlichen Antworten auf die zahlreichen Fragen der Zuhörer.

Mir war es jedenfalls neu, dass Festplatten und Diesel-Standheizungen in sehr großen Höhen, wie sie z.B. im Himalaya oder den Anden vorkommen, ihre Funktion einstellen. Das transportable Wasserbehälter hinsichtlich der Hygiene Vorteile gegenüber fest montierten Unterbodentanks haben, ist zwar sehr leicht einzusehen – aber nur dann, wenn man diesen Gedanken überhaupt ins Auge fasst. Derartige Tipps gab es Dutzendweise – alleine diese Fragestunde war die Anfahrt wert.

Im Anschluss gab es von einem Reiseveranstalter einen Diavortrag über Albanien und Kirgistan. Die Bilder waren fraglos sehr schön – mehr oder minder alle. Nach wenigen Minuten fragte ich mich, wo die weniger schönen Eindrücke blieben, die es in jedem Land gibt – mit Sicherheit auch in Albanien. Die Antwort folgte prompt: die hässlichen Fotos hätte er weggelassen, um uns nicht zu verschrecken. Ich gehe zwar davon aus, dass Menschen, die mit einem Geländewagen abseits der asphaltierten Straßen Länder wie Albanien bereisen, nicht nur blühende Landschaften erwarten, aber ich kann mich natürlich irren. Für mich war der Diavortrag damit unglaubwürdig und nutzlos geworden – schade.

Wir haben uns anschließend noch ein wenig auf dem Gelände umgeschaut. Direkt am Eingangsbereich des Geländes gab es an einem Hang diverse – natürlich nicht-asphaltierte – Wege für Offroad-Übungsfahrten mit teilweise imposanten Steigungen. Mit dem richtigen Fahrzeug hätte ich mich dort vermutlich einige Stunden vergnügt, dem guten Ford Fiesta wollte ich dies nicht antun (abgesehen davon, dass einige Anstiege auch bei dem trockenen Wetter ohne Allrad nicht zu schaffen gewesen wären).

Vor dem Hang gab es den Saal für die Vorträge, davor eine überdachte Terrasse mit einer langen Theke gegen Hunger und Durst und einer etwas kürzeren Theke für Buschtaxi-Fanartikel. Der grüne Pulli mit dem Aufdruck „Es gibt Dinge im Leben, die man nicht braucht … zum Beispiel Wege” über einem Buschtaxi hat es mir zwar sofort angetan – ohne das geeignete Fahrzeug ist der Pulli aber unpassend. Negativ fiel mir nur auf, dass es kein alkoholfreies Bier gab: für ein Treffen dieser Art im Jahr 2009 aus meiner Sicht nicht mehr zeitgemäß.

Auf dem Freigelände hinter dem Eingangsbereich gab es eine Art Händlerplatz – an zwei Seiten ergänzt um Flächen, die für das Camping genutzt wurden. Den nagelneuen, weißen HZJ78 von Tom’s Fahrzeugtechnik hätte ich am liebsten sofort vom Platz gefahren – leider sprachen rund 45.000 Gründe dagegen. Weitere Campingmöglichkeiten gab es auf dem Hügel hinter dem Offroad-Übungsgelände – wer dort mit seinem Fahrzeug und/oder Zelt übernachten wollte, hat mit Sicherheit einen freien Platz gefunden.

Am Sonntag waren wir zum Diavortrag “Montenegro, Albanien und Griechenland” wieder da. Der Vortrag wurde von der Mitfahrerin einer Tour gehalten. Fotos und Präsentation waren zwar nicht so professionell wie bei dem Reiseveranstalter am Vortag: dafür war der Vortrag ehrlicher. Die drei Länder gehören zwar nicht unbedingt zu der Region, die ich im Auge habe, die Via Egnatia habe ich mir trotzdem mal vorgemerkt. Anscheinen werde ich von alten Handelsstraßen angezogen und vielleicht komme ich da ja doch mal vorbei.

Es folgte der HDTV-Film “Australien – Vor uns die Weite” von Axel Vetter. Den Film gibt es auch auf DVD, auf dem Buschtaxi-Treffen gab es ihn mit einem Original-Live-Kommentar. Die Darbietung war äußerst professionell, für die Frau an meiner Seite schon so professionell, dass sie den Kommentar unpersönlich fand. Ich hatte nur Augen für die Panoramen: Sanddünen, von rotem Sand durchtränkte Steppe, riesige Salzseen und endlose Weiten. Hinsichtlich der Landschaften und den gefahrenen Tracks neben Asien und Neuseeland das für mich bislang interessanteste Reisegebiet.

Ursprünglich nicht geplant, auf der Tafel vor dem Saal aber angekündigt, folgte im Anschluss der Film Trans-Asia. Die Tour startete in Thailand und verläuft über Kambodscha, Laos, und China entlang des Mekong in Richtung seiner Quelle. Über Tibet, Kirgisistan und Kasachstan ging es dann weiter. Die Einreise nach China erfolgte mit dem obligatorischen Tourguide, aber immerhin mit eigenen Fahrzeugen. Imposante Bilder, aber auch eine offene Darstellung der Szenen, die man sich weniger wünscht.

In den Vorträgen wurde auch von zahlreiche Defekten an den Fahrzeugen berichtet. Die meisten ließen sich reparieren, ein Fahrzeug musste bis zum Ziel geschleppt werden, eines anderes zurückgelassen. Was mir auffiel: alle Fahrzeuge, die während der Reise verreckt waren oder zumindest größere Reparaturen erforderten, waren entweder keine Toyotas oder europäische Ausführungen des Landcruisers. Die HZJ78 australischer Abstimmung hatten anscheinend keine Probleme. Es hat anscheinend schon seinen Grund, warum genau dieses Modell bei Fernreisenden einen so guten Ruf hat.

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