Home Server 2010 – Hardware

Dual-Core Atom Mainboard für den Home ServerIm Januar 2005 berichtete ich über mein Home Server Projekt, dem Bau eines kleinen Servers für häusliche Anforderungen auf Basis eines Mini-ITX Mainboards und Linux. Unter den allgemeinen Zielen schrieb ich damals, dass der Server für eine Laufzeit von 5 Jahren auszulegen ist. Das Ziel wurde mit einer Punktlandung erreicht, im Januar 2010 war es soweit: ein Upgrade war fällig. Zwar tat der Server weiterhin prinzipiell brav seinen Dienst, es gab aber ein paar Punkte, die störend waren:

  • Lautstärke: die durch den 40er CPU-Lüfter auf dem EPIA Board verursachte Geräuschkulisse ging mir auf die Nerven, der 80er Lüfter im Netzteil war ebenfalls nicht gerade geräuschlos
  • Performance: in 2005 war ich mit der Datenrate, die über eine 100 Mb/s Ethernet Schnittstelle realisierbar ist, noch zufrieden – inzwischen empfand ich die Limitierung als äußerst störend
  • Plattenplatz: die 160 GB Platte war restlos voll, der zweiten Platte für das Backup ging es nicht anders
  • NFS Probleme: Nach einem Linux-Upgrade auf dem Desktop vor einigen Monaten traten Probleme mit den NFS Shares auf. Sporadisch verschwanden Dateien und Ordner auf dem Desktop, die erst nach einem Restart des NFS Services auf dem Server wieder sichtbar wurden

Auswahl der Hardware

Neben diesen sachlichen Motiven verfolgte mich auch eine spleenige Idee, die mich seit dem Erscheinen der Atom-CPUs begleitet hat: ein passiv gekühlter Dual-Core Atom Prozessor war genau das, was ich mir für mein Home Server Upgrade vorstellte. Die ersten Atom-Boards besaßen leider fast durchgehend einen Lüfter, zumindest auf dem Chipsatz – das D510MO Board, das Intel zusammen mit der neuen Generation Anfang des Jahres auf den Markt schmiss, entsprach dagegen meinen Wünschen:

  • Dual-Core Atom CPU, 1.66 Ghz
  • keine Lüfter auf dem Board
  • Gigabit-Ethernet Schnittstelle
  • 2 SATA Anschlüsse

Nun könnte man sich fragen, was man mit der Rechenleistung eines Dual-Core Atoms in einem privaten Server will, der primär nur File Services bereit stellt. Ich entschloss mich diese Frage zunächst nicht zu beantworten, erst einmal den Server damit aufzurüsten und mir dann später Gedanken zu machen, ob ich eine Anwendung für die beiden Cores finde. Mit diesem Gedankengang entschied ich mich auch gegen zwei 512 MB Speicherriegel, die für meine Anwendungen vollkommen ausgereicht hätten, und bestellte zwei 1 GB DDR2 Riegel. 2 GB sollten für einen Home Server mehr als ausreichen.

Stromversorgung für das Mainboard über einen DC-ATX AdapterDamit war gedanklich der 40er Lüfter Geschichte, es blieb noch das Netzteil mit seinem 80er Lüfter und damit die Frage nach einem passiv gekühlten Netzteil. Hier stieß ich auf passiv gekühlte DC-ATX Umsetzer, die in Verbindung mit einem passiv gekühlten Notebook-Netzteil die Versorgung für Mainboard und Laufwerke bereitstellen können. Es gibt hier Umsetzer, die mit 12V Netzteilen arbeiten und einen sehr hohen Wirkungsgrad haben und Umsetzer, die mit günstigeren Notebooknetzteilen und damit auch mit einem breiteren Spannungsbereich funktionieren, nicht ganz so effektiv, dafür aber günstiger sind. Meine Wahl fiel auf einen picoPSU-120-WI-25V Umsetzer in Verbindung mit einem 70W-Notebook-Netzteil.

Lüfter für etwas Luftbewegung im GehäuseDie 160 GB Platte in meinem alten Home Server war nicht nur voll, weitere 100 GB lagen bereits nach einem kompletten Rippen meiner CD-Sammlung auf einer USB Festplatte. Die Grundidee, statt zwei permanent gespiegelten Platten in einem RAID Verbund nur eine Platte im Betrieb zu nutzen und die zweite Platte nur für die Datensicherung zu aktivieren, hatte sich bewährt. Dieser Ansatz erlaubte es, Backups über einen bestimmten Zeitraum vorzuhalten, so dass auch gelöschte Daten einige Tage oder mit etwas Glück auch Monate später noch im Backup vorhanden waren. Ein Ausfall der ersten Platte würde zwar eine Neuinstallation erfordern, da alle relevanten Konfigurationsdateien aber mit gesichert wurden, würde dies neben einer Grundinstallation nur ein paar Handgriffe bei einem Fläschchen Bier bedeuten.

Um den Leistungsverbrauch im Betrieb möglichst gering zu halten, entschied ich mich als Betriebsplatte eine 2,5″ Platte einzusetzen. Meine Wahl fiel auf die Hitachi HTE545050B9A300, die 500 GB Speicherplatz bietet und sogar explizit für einen 7×24 Stunden Betrieb ausgelegt ist. Mein Datensicherungskonzept sieht vor, persönliche Daten mit Tages- und Monatsbackups mehrfach vorzuhalten und die MP3 Sammlung, Fotos und ähnliche Dateien zweimal auf die Backupplatte zu sichern, mehr dazu später. Dies bedeutet, dass die Backupplatte ungefähr 2,5 mal so groß wie die Betriebsplatte sein muss. Meine Wahl fiel auf die 3.5″ Samsung HD154UI SpinPoint F2 EcoGreen, die 1,5 TB Kapazität hat.

Mit dieser Konfiguration waren zwar alle Lüfter verbannt, ich hatte aber Zweifel, ob es unter Last in heißen Sommermonaten, z.B. während einer Datensicherung, nicht zu Hitzestaus im Gehäuse kommen könnte. Um diesen zu vermeiden, wünschte ich mir einen leichten Luftzug durch das Gehäuse, erzeugt von einem in der Praxis nicht wahrnehmbaren Lüfter. Ich stieß auf den Papst Lüfter 8412 NGLLE, der direkt an einem Stecker für die Stromversorgung von Laufwerken angeschlossen wird, bei 12V mit ca. 1.000 U/min dreht und dabei ein Geräusch von 9dB(A) erzeugt.

Die Einkaufsliste sah damit wie folgt aus:

  • Intel BOXD510MO, Mainboard: 74 €
  • 2 Speichermodule á 1 GB: 60€
  • picoPSU-120-WI-25V, Netzteil: 53 €
  • Notebook Netzteil: 42 €
  • Hitachi HTE545050B9A300: 86 €
  • Papst Lüfter 8412 NGLLE: 14 €
  • Samsung HD154UI SpinPoint F2 EcoGreen: 95 €

Resultat

Aluplatte in der Rückwand zum Schließen des Netzteillochs und für die Aufnahme des LüftersEs ist schon verblüffend, dass ich als zumindest dem Alter nach inzwischen erwachsener Mensch jedes gelieferte Teil vorsichtig aus dem Karton nahm, drehte und wendete, betastete und mich dabei wie ein Kind freute. Irgendwann war nicht nur das gesamte Material da, sondern auch die Zeit, die Teile einzubauen. Nachdem alles verschraubt war und nur noch das DVD Laufwerk fehlte, dass für die Installation von CD notwendig war, fiel mir auf, dass das vorhandene Laufwerk einen IDE Anschluss hatte, das Board aber nur SATA anbot. Wie gut, dass die Kosatec-Filiale in den Braunschweiger Schlossarkaden bis 20:00 Uhr offen hatte – die 20 € für ein SATA DVD Laufwerk schob ich um 19:55 Uhr gerne über den Tisch.

Auf die Installation und Benchmark-Ergebnisse gehe ich in einem getrennten Artikel ein. Ohne zuviel vorweg zu nehmen: der neue Server hat nun einige Wochen Betriebszeit hinter sich, ohne Absturz oder Hänger – im urbanen Sprachgebrauch wird das glaube ich als “rock solid” bezeichnet. Mit der Auswahl der Komponenten bin ich sehr zufrieden, mit Ausnahme des Papst-Lüfters: sobald irgendein anderer PC im Zimmer läuft, ist der Server zwar nicht akustisch wahrnehmbar; wenn der Server alleine eingeschaltet ist, ist der Lüfter zwar leise aber trotzdem noch gut hörbar.

Dass muss auch leiser gehen, sagte ich mir, und stieß bei weiteren Recherchen auf den NB-Multiframe® S-Series M8-S1 Lüfter. Er dreht laut Datenblatt mit 1.200 U/min, erzeugt aber nur ein Geräusch von 6 dBA. Einschließlich Versand verringerte sich der Kontostand mit der Bestellung noch einmal um 16 €, die Ausgabe habe ich aber nicht bereut. Der Luftstrom ist gefühlt etwas geringer als beim Papst aber nach meiner Einschätzung immer noch mehr als ausreichend, dafür ist der Lüfter noch einmal deutlich leiser. Der Nachteil dieser Lösung: da der Server jetzt praktisch nicht mehr hörbar ist, wird er häufig nach Gebrauch nicht mehr ausgeschaltet und läuft damit durch.

Gespannt war ich auf die Leistungsaufnahme des Servers. Ein direkt an der Steckdose angeschlossenes Leistungsmessgerät liefert – wenn kein Backup aktiv ist und damit die 3.5″ Platte abgeschaltet ist – eine Leistungsaufnahme von 25,8 W. Unter Last steigt die Leistungsaufnahme bis knapp unter 30 W. Damit hat der deutlich (!) leistungsfähigere Home Server nur wenig mehr als die Hälfte der Leistungsaufnahme des alten – auch in dieser Hinsicht bin ich daher voll und ganz zufrieden.

Auf die Linux-Installation und Einrichtung werde ich in einem zweiten Artikel eingehen – dort gibt es dann auch die Ergebnisse der I/O Benchmarks.

7 Kommentare zum Artikel “Home Server 2010 – Hardware”

  1. Ich fand schon den Artikel über den alten Server sehr interessant – Danke für den Bericht über das Upgrade!

  2. Du bist anscheinend sehr geräuschempfindlich. Ich hatte mal eine Rechnerausstattung,
    bei der mir nicht klar war, ob es die Festplatte, der Lüfter oder mein Tinnitus ist.
    Festplatte und Lüfter konnte ich wechseln, der Tinnitus blieb trotzdem.
    Bei letzterem habe ich auf die nicht undeutsche Methode “Verdrängung” gesetzt.

    • Und? Erfolgreich (verdrängt)? ;-)

      • Ja, hab’ ich. Komisch, im Augenblick kann ich gar nichts davon wahrnehmen.
        Aber das liegt wohl daran, dass mein Rechner einigermassen Lärm macht.

        Bei mir sollte ein Kaufkriterium für Geräte aller Art sein, dass sie eine
        gewisse Grundlautstärke erzeugen. Ich hab’ mir jetzt eine neue Zahnbürste
        zugelegt. Dieses Mal ist es eine elektrische …

  3. Sehr interessanter Artikel, da fang ich doch glatt an zu überlegen ob ich mir nicht auch einen solchen Mediaserver basteln mag. Unklar ist mir allerdings die technische Umsetzung bzw Notwendigkeit zweier Netzteile, das hab ich nicht verstanden. Geht es dabei um die Lautstärke oder die Wärmeentwicklung?

    • Lautstärke. Ziel war ein prinzipiell nicht mehr hörbarer Server, das Rauschen der Blätter des Baums bei geschlossenem Fenster sollte jedenfalls lauter sein.

      Ich habe mich zunächst über den Kommentar “zwei Netzteile” gewundert. Letztendlich ist es nur ein Netzteil: das passiv gekühlte Notebook-Netzteil. Der zweite Part ist ein – ebenfalls passiv gekühlter – Stromwandler, der aus den ca. 18 V dann die Spannungen für den ATX Stecker macht.

  4. Danke, jetzt hab auch ich es verstanden :-) Ab und zu sollte ich mehr Text lesen und nicht so sehr auf die Bezeichnungen der Preisliste achten…

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