Stammeskonforme Begrüßungen

Der Besuch in Nürnberg erinnerte mich an eine andere Begebenheit, die sich zu der Zeit der Rückkehr nach Deutschland Niedersachsen zugetragen hat. Bekanntlich ist der katholische Glaube in Bayern passend zu dem überwiegend konservativ eingestellten Völkchen stark vertreten – also der Glaube einer Kirche, die z.B. auch indirekt ungeschützten Geschlechtsverkehr empfiehlt. Gut, vielleicht geht die Rechnung auf. Vielleicht halten sich die zunehmenden AIDS-Abgänge mit dem Mehr an Neugeburten die Waage, ich möchte das jetzt aber nicht weiter eruieren.

Jedenfalls hat der Gruß an Führergestalten in Bayern und damit auch in Franken noch Hochkultur. Allerorts trällert einem dort ein ‘Grüß Gott’ entgegen. Als überzeugter Nicht-Kirchgänger lag mir immer ein “wenn ich ihn sehe” oder vor Fahrstühlen und Treppen ein “so hoch wollte ich noch nicht” auf der Zunge, alleine meine gute Erziehung hat mich davon abgehalten. Allerdings habe ich irgendwann angefangen, das neutrale ‘Hallo’ durch ein deutlich vernehmbares ‘Moin’ zu ersetzen – klare Fronten haben auch etwas für sich. Diese Vorgehensweise ging mir schnell in Fleisch und Blut über. Kein versehentlicher Gottesgruß, der mir in Bayern über die Lippen ging, ungezählte ‘Moin’, die durch die bayrischen Landschaften hallten.

Mitte der 90er zog ich zurück nach Braunschweig. Der ständige Druck, versehentlich stammeskonform auf einen Gottesgruß zu antworten, war wie weggeblasen, ich war wieder frei. Fröhlich, ausgeruht und entspannt betrat ich morgens einen Bäckerladen und trällerte voller Freude ein lautes ‘Grüß Gott’ über die Theke. Die Verkäuferin war sichtlich irritiert und antwortete mit ‘Moin’.

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4 Kommentare zum Artikel “Stammeskonforme Begrüßungen”

  1. Unangepasster Schlingel, Du…

  2. na dann ein herzhaftes moin moin von der westgrenze unseres schönen lower saxony an die ostgrenze…ich war seit ewigkeiten nicht mehr da, bin immer nur durch gefahren…

  3. Wir Franken scheinen ja wirklich dieses Grüß-Gott-Gen zu haben … allerdings bemühe ich mich, bei Telefonaten “Guten Tag” oder beim Einkaufen einfach ein “Hallo” zu verwenden. Oft allerdings schlüpft dieses verflixte Gen dann doch wieder durch … Mit “Moin” bräuchte ich allerdings nicht ankommen, zumal ich ja von hier bin. Das wäre dann so etwas wie ein verbaler Seitensprung …

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