Schön böse – Wiglaf Droste in den Vier Linden
Ich habe irgendwann einmal gelesen, dass gutes Kabarett böse sein muss, so richtig böse. Wenn das stimmt, und diese These hat zumindest meine Zustimmung, dann muß man Wiglaf Droste einmal live erlebt haben. Ich hatte ihn bis vor kurzem noch nicht erlebt und wenn man meint, etwas kennen zu müssen, was man noch nicht kennt, dann kann man diesen Missstand im Leben einfach dadurch korrigieren, indem man hingeht. Der Tipp kam von dem Nürnberger, der die See sehen wollte: “Mitte Dezember ist der Typ in Hildesheim, geh hin”. Ich tat, wie mir empfohlen.
Die Veranstaltung fand in Hildesheim im Vier Linden statt. Vom Grundsatz her handelte es sich um eine Lesung aus seinen Büchern, die einzelnen Abschnitte wurden aber immer wieder durch allgemeine Kommentare ergänzt. Wenn ich den Stil charakterisieren sollte, dann würde ich seine Wortspiele als böse bezeichnen, so richtig bitter-böse und ohne jegliche Gnade, immer an der Grenze der Zulässigkeit und vermutlich abwechselnd auf beiden Seiten davon. Selbst dann, wenn man ihm vom Gesagten nicht zustimmen möchte, muß man angesichts seiner Logik und Schärfe grinsen, den Kopf schütteln und nicht selten laut auflachen.
Es sind nicht die einzelnen Worte, die ihn so böse machen, es sind die Sätze, die er mit den Worten formt. Sowohl die gelesenen, als auch die spontanen. Wenige Minuten nachdem er angefangen hatte, klingelte ein Handy. Während der Gast direkt vor mir verzweifelt die Quelle der Störung suchte, philosophierte Wiglaf über die modernen Menschen, die auf drei Wegen gleichzeitig kommunizieren, meistens mit leerem Kopf. Ein Amokläufer wäre ihm lieber, meinte er, als das Handy gerade abgeschaltet wurde, diese hätten wenigstens ein Motiv und ein Ziel: mindestens ein Elternteil sowie den Lehrer. Wer darüber nicht grinsen kann, sollte sich Wiglafs Auftritte schenken.
Die Einschläge kamen zu schnell, um sie sich bis zur Pause zu merken und dann zu notieren. Kalauer wie die Abkürzung des DFB (Dich Fickt Beckenbauer) bleiben im Gedächnis und sofern Kaiser Franz Humor hat, wird jedenfalls er noch drüber lachen können. Sehr schön auch der Vorschlag der Eigenkreuzigung als Antwort auf Kardinal Ratzinger’s Wunsch, der Botschaft Jesu treuer zu werden, nachzulesen z.B. in einem Essay zum Anlaß der Verleihung des Westfälischen Literaturpreises. Zum Abschluß gab es eine Weihnachtsgeschichte, die mir trotz meiner diesjährigen Gefühlsdefizite gefallen hat. Kein Wunder, bei dem Titel: “Weihnachten ungefickt zu Muttern”.


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Er wandert auf schmalem Grat, der Herr, aber ich mag böse Menschen auf der Bühne. Ich habe mir den Namen, den ich zwar schon irgendwo gehört, aber nicht behalten habe, gleich notiert. Falls er in die Nähe kommt, möchte ich unbedingt hingehen. Unverblümt und bitterböse. So etwas liebe ich.
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sehe ich ähnlich wie meine kollegin und schwester im geiste. noch ein name, den ich mir merken muss…neben Hagen Rether?…auch herrlich bitterböse und so weit von trashcomedy entfernt wie einst dieter hildebrandt mit seinem scheibenwischer vom quatsch comedy club.
ich mag auch das trashige, aber nicht nur, ich meine, wer will schon ständig das gleiche hören, sehen, lesen?
dann gehts weihnachten…ähm…ich glaube, dass überfordert unseren schüchternen kleinen teufel…
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Ich habe Hagen Rether erst einmal live erlebt und zwar im Theater am Küchengarten vor vielleicht einem Jahr. Er ist ebenfalls bissig, aber auf eine deutlich softere Art, er bleibt auch immer “diesseits der Grenze”. Ich würde Hagen Rether mehr im Zusammenhang mit Volker Pispers nennen (den ich leider noch nicht live erlebt habe), wobei Volker Pispers vielleicht noch eine kleine Stufe “softer” ist (und trotzdem einer meiner Lieblings-Kabarettisten).