Waffeln mit heißem Apfelkompott und Zimt
Über das Waffelhaus in der Nähe von Bad Wildungen hatte ich schon einmal berichtet. Ein Kumpel aus dem tolerierten Bundesland weilte mal wieder in Deutschland – meine bayrischen Leser(innen) mögen mir die unter Norddeutschen übliche Frotzelei verzeihen – und hatte neben sich auch seine 600er Bandit mitgebracht. Von dem Waffelhaus hatte er gehört und als es um eine Abschlußtour ging, bevor er sich wieder auf den Weg ins fränkische Bayern macht, wollte er dorthin. Der Gast ist König, das Waffelhaus gesetzt. B. wollte auch mit, C. sowieso. Der Weg zum Waffelhaus führt durch viele Hügel, da wollte S. mit seiner KTM auch gerne mit.
Bei S. sagte die Seele ja, aber der Darm leider nein. Schade: es ist eine Wonne ihm beim Fahren zuzuschauen. B. mußte Geld verdienen – ein Kunde drohte nicht nur mit einem Auftrag. C. hat zwar zwei Motorräder, aber eines rasselte laut für die Werkstatt und das andere ist zwar hübsch aber nichts für lange Touren. Damit waren A. und ich alleine, wobei uns C. bis Seesen auf ein gemeinsames Frühstück begleitete.
Eine gute Tour beginnt damit, dass man zunächst einmal nicht in die Richtung fährt, in die man eigentlich will. Dementsprechend peilten wir von Braunschweig kommend auf der A395 den Harz an, verliessen die Teststrecke für Geschwindigkeiten oberhalb 200 km/h aber bereits in Flöthe. Was folgte war eine Geheimstrecke, die so geheim ist, dass ich die genaue Reihenfolge der Ortschaften nur erraten kann. Von der Abfahrt fuhren wir gen Osten nach Heinigen, gen Süden nach Werlaburgdorf, gen Westen über Altenrode und irgendwann passierten wir auf einem geteerten Feldweg Lüderode um schließlich am Kleinstadtrand von Liebenburg anzukommen.
Hinter Groß Döhren geht es die Kurven zum Querberg hoch, über Kunigunde und Langelsheim führten uns Straßen bis Seesen. Es war bereits kurz nach 10 Uhr – eine Zeit, in der ich mich Sonntags üblicherweise aus dem Bett schäle. Im nördlichen Bereich der B248 in Seesen gibt es das Cafe Kopp’s, in dem es sich drinnen wie draussen gemütlich sitzen läßt. Wir sassen draussen und das kleine Frühstück war für den mit seinem Gewicht kämpfenden in unserer Gruppe durchaus groß genug – ich spreche sonst übrigens nicht in der 3. Person von mir. Wenn ich mit einer Frau frühstücke, ist zwar üblicherweise kein zweiter Mann dabei, aber in diesem Fall war das durchaus okay.
A. wollte nur hinterherfahren und überließ mir die Route bis zum Waffelhaus. Verglichen mit dem Weserbergland ist der westliche Streifen von Seesen eher weniger interessant. Über die B64 ballerten fuhren wir StVO-konform (wirklich!) an Bad Gandersheim und Einbeck vorbei und folgten hinter Einbeck der B3 ein Stück in Richtung Süden. Im Westen von Einbeck fuhren wir westlich, über Markoldendorf, Lauenberg und Relliehausen führten uns gut ausgebaute Straßen bis kurz vor Sievershausen. Kurz vor dieser dörflichen Idylle zweigte eine zunächst geteerte, hinter Abbecke aber nur noch geschotterte Straße in Richtung Süden ab.
Zurück auf asphaltierter Straße rollten wir bis Uslar, von dort aus auf der B241 über Schönhagen bis zur Höhe Hasselberg. Wenige Kilometer vor Neuhaus zweigt eine kleine Straße westlich in den Wald ab. Die Straße ist relativ schmal und schlängelt sich wunderbar durch den Wald – leider verhinderte die Kombination aus 40er Limit, zuviel Punkte in Flensburg und meinem Willen, mein Flensburg Konto zu räumen, ädequate Geschwindigkeiten. Beim nächsten Mal würde ich diese Straße daher auch nicht wieder wählen.
Tipp aus früheren Touren: In Markoldendorf geradeaus weiter über Dassel bis Neuhaus. Dort beginnt eine traumhafte Strecke durch den Wald bis zur Weser. Über Fürstenberg und Lauenförde errreicht man dann Bad Karlshafen.
Südlich von Bad Karlshafen folgten wir der Ausschilderung nach Gottsbüren. Die Straße, die an der Abzweigung kurz hinter Helmarshausen beginnt, ist ebenfalls schmal und weitgehend schlaglochfrei. Im Gegensatz zu dem oben erwähnten befahrbaren Wanderpfad darf hier, soweit für Landstraßen zulässig, am Kabel gezogen werden. Zwischen Gottsbüren und Trendelburg erinnerte ich mich wieder an meinen 5. und 6. Gang, die Drehzahl sank dann wieder.
Hinter Hümme lohnte sich die Strecke über Eberschütz, Ostheim, Zwergen und Obermeiser bis Laar – über Escheberg und Nothfelden erreichten wir Wolfhagen. Von Wolfhagen gibt es zwei Straßen nach Ippinghausen – die schmalere führt über Leckringhausen, eignet sich aber bestenfalls für die Abstimmung der Federwege. Über Freienhagen und Sachsenhausen erreichten wir die Straße um den Edersee. Wer sich das Geld für eine Motorradmesse sparen will, fährt zum Edersee – kaum ein Modell auf dem Markt, dass hier nicht irgendwo am Straßenrand steht.
Die Straße um den Edersee wäre ein Gedicht, wenn sie für Autos gesperrt wäre und das 50er Limit nicht wäre. Am Sonntag winkt sich hier Pensionär vom Hutablagentyp “gehäkelte Klopapierrolle” dem Rentner mit seinem Wackeldackel aus dem fahrenden Auto zu, wobei mit fahrend der Zustand “fast stehend” gemeint ist. Im zweiten Gang reichen auch die kurzen Geraden zum Überholen – wirklich Spaß macht das aber nicht.
Meine Route führte hinter dem Edersee nicht direkt zum Waffelhaus, mir war nach “von hinten”. Die Straße über Kleinern bis Gellershausen läßt sich einfach nur gut fahren, ist aber nur das Vorspiel zum eigentlichen Akt. In Gellershausen empfehle ich der Ausschilderung nach Albertshausen zu folgen. Eine kleine, kurvige und bestens asphaltierte Straße führt durch den Naturpark, mehrfaches Drücken auf den Schalthebel in die unteren Gänge. Das Waffelhaus liegt schließlich auf der nördlichen Straße nach Bad Wildungen – einfach dort anhalten, wo viele Senioren ihre Dose parken.
Den ersten Teil der Rückfahrt übernahm A., ich folgte nur und genoß. Bis Edermünde fuhren wir auf der A49 und wer meinte, dass Autobahnfahren mit dem Moped keinen Spaß macht, kennt diesen Abschnitt der A49 nicht. Während auf der Strecke zwischen Gellershausen und Albertshausen der 5. und 6. Gang Pause hatte, darf man auf der A49 getrost die unteren vier vergessen. Irgendwann waren wir in Hessisch Lichtenau, kurz danach rollten wir um die Kasseler Kuppe. In Heiligenstadt trennten wir uns, über Seesen fuhr ich dann wieder gen Heimat.
Es war aufgrund der zunehmend früher einbrechenden Dunkelheit mit 581 Kilometern vermutlich die letzte große Tour in diesem Jahr. Mit der Frühstückspause, dem Aufenthalt im Waffelhaus und einem Tankstopp betrug die Dauer ca. 11,5 Stunden – in Braunschweig war das einzig Helle am Himmel der Mond. Ach ja, bevor ich es vergesse: diesmal hatte ich die Waffel mit dem heißen Apfelkompott – und ich habe sie geschafft!


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Ohhhh schöööööööön! Nächstes Mal bin ich auf jeden Fall dabei!!!!
LG
Madeleine
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Okay! Siehe zu, dass S. dann noch Moped fährt. Mit einer Ape bleibt er zu Hause :-)