Eindrücke von der SAPPHIRE 2008
Dieses Jahr habe ich mir einen Besuch auf der SAPPHIRE gegönnt. Genau genommen hat ihn mir SAP gegönnt – dort meinte jemand, ich sollte da mal hin und um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, gab er mir sogar einen Gutschein für die Konferenz. In diesem Jahr fand die europäische SAPPHIRE vom 19. bis 21. Mai in Berlin statt und laut Aussagen von SAP kamen diesmal 9.000 Besucher.
Ich traf am Sonntag abend in Berlin ein und hatte eigentlich vor gehabt die Registrierung noch am Sonntag zu erledigen und ein Willkommensgetränk zu geniessen. Mein Notebook hatte ich zwei Minuten vor dem Berliner Hauptbahnhof zugeklappt und irgendwie war mir an dem Abend nicht mehr nach Geschäftskluft. Ich entschied mich daher für eine Joggingrunde an der Spree und fuhr am Montag früh entsprechend früher zur Messe. Beim nächsten Mal mache ich die Registrierung am Sonntag abend – am Montag durfte ich fast eine Stunde in einer Schlange stehen.
Die erste Keynote erreichte ich gerade noch rechtzeitig. Kurz hinter mir wurden die Türen geschlossen – wer nicht mehr reinkam konnte aber die Liveübertragung in den diversen Theatern verfolgen, wie ich später erfuhr. Letztendlich war der Eindruck vermutlich ähnlich, direkt sehen konnte ich nicht viel: die Entfernung zur Bühne war sehr groß und Herr Kagermann aus der Entfernung der hinteren Reihen fast nicht mehr sichtbar. Wirklich gestört hat es nicht, die Projektionen waren durchdacht. Der Sprecher wurde links und rechts vergrößert dargestellt, auf zwei XXL-Widescreens war die Präsentation zu sehen und die Akustik war hervorragend.
Kagermanns Keynote war für mich zwar prinzipiell interessant, für meinen Alltag im Mittelstand aber nur eingeschränkt relevant. Der visionäre Part seines Vortrags konzentrierte sich auf die Notwendigkeit, dass Unternehmen ihre Strategien schnell anpassen können müssen und dazu ihre Geschäftsprozesse verstehen und Einblick in die Abhängigkeiten benötigen. Im Original klang das mehr wie “where insight meets flexibility and efficiency”, meine Formulierung gibt meine Interpretation wieder. Wobei ich die schnelle Anpassungsfähigkeit nicht bezweifele – aus meiner Sicht ist diese eh eine Domäne zahlreicher Mittelstandsunternehmen. Ob diese aber die finanziellen Mittel für ein Business Objects Dashboard mit seinen hübschen Schiebereglern haben, dürfte häufig anzuzweifeln sein.
Bei der Keynote am Dienstag von Léo Apotheker war deutlich weniger Andrang. Lag es daran, dass die Keynote eine Stunde früher lag? Immerhin dürfte Apotheker in nicht allzuferner Zukunft Kagermann ablösen und das SAP Ruder, an dem er bereits die erste Hand hat, dann komplett übernehmen. Apotheker ist ein reiner Vertriebsmann und daher interessierte mich wieviel Vision seine Keynote enthielt. Um es kurz zu machen: es war aus meiner Sicht eine reine Verkaufspräsentation. Wahre Stärke zeigt sich häufig im Umgang mit den eigenen Schwächen. Ich bin gespannt, wie SAP sich die nächsten Jahre strategisch entwickelt – Visionäre sehe ich im Vorstand derzeit nicht.
Ein guter Vertriebsmann läßt seine Kunden erzählen, wie gut das eigene Produkt ist. Positiv überrascht hat mich der kurze Vortrag von John Clarke, CIO von Nokia. Nach meinen bisherigen Erfahrungen sind Präsentationen nicht unbedingt eine Domäne von CIOs, Clarke zeigte, dass es auch anders geht. Ich habe selten eine Präsentation von einen CIO in dieser Perfektion gesehen. Gestik, Betonung, Pausen, witzige Bemerkungen zwischen klaren Aussagen. Dass die Motivation von Nokia massiv in mobile Internet Services zu investieren vielleicht nicht nur aus der eigenen Vision kommt sondern auch durch den Erfolg von Apple getrieben ist, ging dabei fast unter. Aber wie auch immer: Fehler zu machen oder spät zu reagieren gehört zum Alltag. Daraus zu lernen und zu reagieren ist wichtiger.
Die dritte Keynote wurde von John Schwarz gehalten, CEO von Business Objects, das bekannteste Kaufobjekt von SAP der jüngeren Vergangenheit. Auch seine Keynote war mehr oder minder eine reine Salespräsentation. Sein Ziel war aufzuzeigen, warum SAP Business Objects gekauft hat – dieses Ziel hat er erreicht. Das User Interface von Business Objects ist das beste im Business Intelligence Bereich, dass ich bislang gesehen habe. Die Frage wie SAP mit der Überschneidung von Netweaver BW und Business Objects umgeht, war auch abseits der Keynotes auf der SAPPHIRE häufiger ein Thema.
Bemerkenswert fand ich dazu die Worte von John Schwarz, die natürlich zu einem nicht unbeträchtlichen Teil “BO-gefärbt” sind: gut, wenn man bereits ein Netweaver BW im Einsatz hat, dann hat man bereits die Daten an einer Stelle. Geht es noch eindeutiger? Das Einsammeln der Daten dürfte für BO die kleinste Übung sein. Wenn das BW sonst keinen größeren Zweck erfüllt, dann brauche ich es auch nicht mehr – aber vielleicht war das ja auch der tiefere Sinn der Aussage.
Es würde ja auch gut in die aktuelle Lizensierungspolitik der SAP passen, bei der die ehemaligen Rundum-Sorglos Pakete ERP und speziell die Business Suite mehr und mehr zum rudimentären Grundset reduziert werden, die sich um natürlich lizenzpflichtige Pakete ergänzen lassen. Business beyond Boundaries, strahlte es von den diversen Präsentationen. Als Mittelstandskunde dürfte der eine oder andere langsam an die Grenze kommen, an der er diesen Satz als “Costs beyond Budget” interpretiert.


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Ich wusste ja gar nicht, dass Du auch in Sachen SAP unterwegs bist. Meinereiner schaut sich die nächsten drei Tage mal an, was ECC 6.0 in Sachen Produktionlogistik so Neues zu bieten hat.
Dafür muss ich nicht mal verreisen, sondern schaue mir erstmals das SAP-Zentrum in der Hamburger Hafencity von innen an, welches nur eine halbe Stunde Fahrt entfernt ist…
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Nicht der schlechteste Ort, an dem das eigene Büro liegen kann :-)
In dem Hamburger SAP Gebäude in der Hafencity finden regelmäßig “News@SAP” Veranstaltungen zu diversen Themen statt (soweit ich es in Erinnerung habe, geht es in der nächsten um Produktionsthemen – vermutlich ist das die Veranstaltung, die du meinst). Wenn das Thema paßt, bin ich dabei, zumal es abends dann auch die Möglichkeit gibt, sich mit anderen auszutauschen um sozusagen dem geistigen Inzest ein wenig zu entkommen. Im Schnitt bin ich dort bei jeder zweiten Veranstaltung.
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In der Hafencity (mit Blick auf SAP) habe ich tatsächlich auch schon gearbeitet, da sah es in der Gegend aber noch sehr nach Baustelle aus… aber der Rest der Stadt ist ja nicht weit weg…
Nach News@SAP muss ich mal suchen, ich mache diese Woche den SCM300-Kurs – ganz klassisches “Classroom-Training”.