Montage des Kettenölers ‘CLS200u’ an der GSX750F

CLS200u Kettenöler an der Suzuki GSX750FWas haben viele Friseusen und Motorradfahrer gemeinsam? Beide sieht man häufig mit einer Sprayflasche rumhantieren und in beiden Fällen ist der erzeugte Effekt nach der nächsten Wäsche wieder weg. Beim Motorrad soll die Kette alle 300 bis 500 Kilometer eingefettet werden – im Idealfall direkt nach einer Fahrt, wenn die Kette noch warm ist. Soweit, so übel, nach dem Einsprayen sollte das Motorrad dann aber auch noch eine ganze Weile stehen, damit das Trägermittel verdunsten kann – ansonsten wird das aufgespühte Fett gleich wieder von der Kette geschleudert (dieses Problem hat die Friseuse nicht, die kann gleich zum Headbanging übergehen).

Meine Tagestouren sind nur selten unter 300 Kilometer und nicht selten länger als 500 – eigentlich dürfte ich ohne Spray gar nicht mehr das Haus verlassen. Ich sprühe mir nichts in die Haare, das ständige Einsprühen der Kette ging mir zum Ende der letzten Saison auch schon gewaltig auf den Keks. Wenn etwas getan werden muß, man dies aber nicht selbst tun möchte, dann muß man sich einen Dummen suchen, der es tut. In diesen Fällen bietet sich häufig eine technische Lösung an, im konkreten Fall ein Kettenöler.

Übersicht Kettenöler

Der Markt bietet hier ein breites Spektrum an Lösungen. Das Grundprinzip ist immer das Gleiche: anstatt das Fett per Spraydose aufzutragen, wird die Kette über eine ständige, tröpfenweise Zufuhr von Ö?l geschmiert. Die verschiedenen Ö?ler unterscheiden sich hauptsächlich im Preis und in der Art der Ö?lzuführung. Bei den einfacheren Produkten wird die Ö?lmenge rein manuell über einen Regler gesteuert. Da sich die Viskosität des Ö?ls in dem interessanten Temperaturbereich dramatisch ändert, ist hier entweder eine ständige Nachstellung nötig, oder die Kette erhält zu wenig Ö?l oder der Rest des Motorrads zuviel (zwischen 10° und 30° Grad ändert sich die Viskosität um den Faktor 4).

Lieferumfang des CLS200u KettenölersDie besseren Produkte steuern daher die Ö?lzufuhr in Abhängigkeit der Temperatur. Weiterhin gibt es noch die Option, die Schmierung in Abhängigkeit der gefahrenen Geschwindigkeit zu regeln. Eine Regelung die auch Nässe (Regen) berücksichtigt wird zwar häufiger nachgefragt, erscheint mir aber von meiner Logik her als zumindest nur begrenzt sinnvoll. Ö?l, dass auf ein nasses Stück sich schnell bewegendes Metall tropft, dürfte sich dort kaum lange halten. Die nachfolgende Liste gibt eine Übersicht über die verschiedenen Kettenöler, deren Existenz mir bekannt geworden war:

In meinem Bekanntenkreis gibt es mehrere, die den Scottoiler einsetzen, einen relativ günstigen und gut funktionierenden, aber nicht temperaturgeregelten Ö?ler. Auch wenn sich das Kettenöl deutlich einfacher entfernen läßt als das schmierige Kettenspray-Fett, das gesichtete Hinterteil einer solchen Maschine war deutlich verschmutzt. Für mich stand daher fest, dass es ein Ö?ler mit einer Temperaturregelung sein mußte. Ich verzichte auf eine Gegenüberstellung der einzelnen Ö?ler, ich entschied mich aufgrund der diversen, guten Erfahrungen in den Bikerforen für den CLS 200u.

Funktionsprinzip des CLS200u KettenölersDas System kostet runde 220 EUR inkl. Versand. Der Kostenseite stehen auf lange Sicht auch Einsparungen gegenüber. Durch die deutlich längere Lebensdauer eines Kettensatzes rechnet sich das System ungefähr nach der Lebensdauer einer Kette (mein erster Kettensatz hat 18.000 Kilometer gehalten, kostete inkl. Montage knapp 200 EUR, die Kosten für das Kettenspray entfallen auch. Für typische “Eisdielenfahrer” wird sich ein Ö?ler nur selten rechnen – wer richtig Kilometer macht, spart am Ende sogar Geld.

Das Funktionsprinzip des CLS200u ist relativ einfach. Das sich in einen kleinen Tank befindliche Kettenöl wird über ein fest eingestelltes Mengenventil zu einer Elektronikbox geführt, die in Abhängigkeit von dem Einstellschalter im Cockpit und der Temperatur die Feineinstellung vornimmt. Von dort wird das Ö?l über einen kleinen Schlauch zum Kettenrad geführt. Durch die Drehung des Rades wird das Ö?l in die Kette geschleudert. Im Vergleich zu Kettenölern, die die Ö?labgabe über die Wegstrecke steuern, gibt der CLS200u auch dann Ö?l auf das Kettenrad, wenn das Motorrad mit laufendem Motor steht. Der Nachteil ist aber mehr oder minder theoretischer Natur: der Abstand zwischen zwei Tropfen beträgt knapp 2 Minuten.

Einbau des CLS200u in der Suzuki GSX750F

CLS200u Tank im Heckbürzel der GSX750FDer Einbau ist in einer sehr guten Einbauanleitung> vom Anbieter beschrieben. Weiterhin gibt es zu diversen Motorrädern Bilder, die die Lage der einzelnen Komponenten zeigen. Es gibt dort auch ein Beispiel für die Suzuki GSX750F, allerdings gefiel mir die Positionierung des Tanks in dem Beispiel nicht. Der Tank würde sich in der Wölbung des hinteren Verkleidungsteils befinden, zum Nachfüllen eine denkbar schlechte Position. Ich habe den Tank (250 ml) in das hintere Heckbürzel hinter das Werkzeugset verlagert. Dort liegt er prinzipiell lose, wird aber von einem kleinen Verbandskissen in seiner Position gehalten.

Das es mir wenig sinnvoll erscheint, eine sehr gute Einbauanleitung in anderen Worten erneut zu schreiben, beschränke ich mich daher hier auf die GSX750F spezifische Montagearbeiten, speziell mit dem Entkleiden. Sofern man den Einstellschalter im Cockpit unterbringen möchte, wo er auch hingehört, kommt man um ein Abnehmen eines Seitenteils der Vollverkleidung nicht herum. Die Alternative wäre den Schalter einfach unter die Sitzbank zu legen. Eine Verstellung nach einer Regenfahrt würde dann aber jedesmal eine Abnehmen der Sitzbank erfordern.

Demontage Verkleidungsteil

Suzuki GSX750F ohne vordere SeitenverkleidungFür die Demontage ist ein Satz Innensechskantschlüssel dringend zu empfehlen, drei verschiedene Schlüsselgrößen werden benötigt. Vor dem Schrauben darf man sich noch die Frage beantworten, auf welcher Seite der Einstellschalter angebracht werden soll. Ich habe die rechte Seite genommen, während der Fahrt werde ich eh nicht mit der Hand vorne ins Cockpit greifen. Um das Verkleidungsteil abzunehmen, sind folgende Schritte nötig:

  • Sitzbank abnehmen
  • Spiegel abmontieren: dazu ist die Gummidichtung unten etwas anzuheben, unterhalb sitzen zwei Schrauben
  • die große Schraube zwischen dem Ende des hinteren Verkleidungsteils und dem Tank ist zu entfernen
  • die vier Schrauben zur unteren Motorverkleidung entfernen
  • die große Schraube unten am hinteren Ende der unteren Motorverkleidung entfernen
  • die untere Motorverkleidung am oberen Rand etwas nach unten drücken und nach aussen ziehen, eine weitere große Schraube wird sichtbar – raus damit
  • die Schraube oben, am Anfang des Tanks, entfernen
  • die schwarze innere Verkleidung zum Vorderrad von der Verkleidung lösen. Dazu sind die beiden größere Kreuzschlitzschrauben unten und in der Mitte sowie die kleine Schraube oben in der Versenkung rauszudrehen. Vorsicht, das schwarze Plastikteil hängt dann nur noch an einer Schraube oben, es sollte daher nicht belastet werden.
  • CLS200u Einstellschalter im Cockpit der GSX750Fdie Schraube unter dem Scheinwerfer entfernen
  • die Schraube an der oberen Ecke des Mittelteils entfernen (Standlicht-verkleidung)
  • an der Ecke der Schutzscheibe die äußere und die innere Schraube entfernen

Die Verkleidung wird jetzt nur noch von zwei Stift-Arretierungen gehalten (eine hinten, eine in der Mitte). Beim Abnehmen der Verkleidung ist dann noch der Stecker vom Blinker abzuziehen.

Demontage Heckverkleidung

Wer auch die vordere Verkleidung abnehmen muß, wie dies für die Montage des CLS200u nötig ist, sollte das zuerst tun – die Demontage des hinteren Verkleidungsteils ist damit etwas einfacher. Für den Fall, dass man nur das hintere Teil abnehmen möchte, ist dieser Kasten gedacht.

  • Sitzbank abnehmen
  • Haltegriff für den Sozius abschrauben
  • Die beiden Kreuzschlitzschrauben in den Gummilagerungen unter der Sitzbank entfernen
  • Von unten in den hinteren Spritzschutz schauen: am hinteren Ende befinden sich auf jeder Seite zwei Plastikhülsen, die jeweils mit einem Stift in der Mitte arretiert sind. Auf jeder Seite die jeweils vordere rausnehmen (mit einem kleinen Schraubenzieher unter den Stift drücken)
  • Die Seitenteile der Vollverkleidung auf beiden Seiten lösen. Dazu sind die großen Schrauben am Ende der hinteren Verkleidung (schräg unterhalb des Tankendes) sowie die hinteren beiden Verbindungsschrauben der unteren Motorverkleidung zu entfernen. Weiterhin sollte man die vorderen beiden Verbindungsschrauben der unteren Motorverkleidung zumindest lösen.

Jetzt drückt man auf jeder Seite das vordere Verkleidungsteil etwas nach aussen und zieht das hintere unter dem vorderen weg. Bevor man das hintere Verkleidungsteil ganz abnehmen kann, ist noch der Stecker zum Rücklicht abzuziehen.

Den Einstellschalter habe ich mittig in die auslaufende Ebene der schwarzen Cockpitfläche positioniert. Das Kabel kann sehr einfach an dem etwas tiefer verlaufenden Kabelbaum montiert und von dort bis zum Heckteil verlegt werden. Für das Bohren des Montagelochs sowie des Arretierstifts kann die mitgelieferte Halterung als Bohrschablone genutzt werden.


CLS200u Elektronikbox im Heck der GSX750FDie Elektronikbox habe ich ähnlich wie in dem Beispiel auf der CLS200u Website seitlich am Rahmen befestigt. Die vordere Seite kann mit einer Schraube in einem sich dort befindlichen Gewinde befestigt werden, die Lasche nach hinten habe ich mit einem Kabelbinder am Rahmen fixiert.

Wie oben schon beschrieben (s.a. Bild) habe ich den Tank nicht in der etwas weiter unten liegenden Nische unter dem oberen Rahmenrohr positioniert, sondern hinten in den freien Bereich des Hecks gelegt, direkt hinter der Werkzeugtasche. Die Verbandstasche, die ich oben drüber geschoben habe, sorgt dafür, dass der Tank während der Fahrt nicht hüpfen kann. Den Entlüftungsschlauch habe ich später mit einem Klebeklipp am oberen Rand der Heckverkleidung befestigt.


Verlegung der Ö?lleitungDas Mengeneinstellstück liegt zusammen mit etwas Schlauchreserve auch im Heckbürzel. Somit kann sowohl die Mengeneinstellung verstellt als auch der Tank leicht nachgefüllt werden, ohne die Verkleidung demontieren zu müssen.

Da die Elektronikbox auf der rechten Seite befestigt ist, die Kette aber links liegt, muß der Schlauch die Seite wechseln. Ich habe seitlich des Stauraums vor der Batterie eine kleine Schleife gelegt, um für den Fall eines Falles etwas Reserve zu haben, und den Schlauch mit zwei Klebeklipps oberhalb des Stauraums auf die andere Seite geführt. Von dort führt der Schlauch über eine Gummihalterung neben dem Stauraum zur Schwinge und über zwei Gummihalterungen zur Halterung für das Endstück.

Anmerkung: In dem ersten Bild sieht man, wie das Endstück ungefähr auf der Position “kurz vor 6 Uhr” steht, wenn man sich das Kettenrad als Uhr vorstellt. Die ideale Position laut Hersteller ist bei 7 Uhr, also etwas bevor die Kette das Kettenrad erreicht.


Führung der Ö?lleitung zur SchwingeFür die Inbetriebnahme muß man dann bei laufendem Motor das tun, was man(n) gerne tun läßt: fleißig blasen – in diesem Fall aber nur in die Entlüftungsleitung des Tanks. Am einfachsten empfand ich es, nach dem Aufblasen des Tanks die Entlüftungsleitung zuzuklemmen und über Druck auf den Behälter das Ö?l in die Leitung zu drücken. Bis das Ö?l hinten am Kettenrad austritt, vergehen einige Minuten. Für die Einstellung der Ö?lzufuhrmenge gelten bei der Suzuki GSX750F die Werte für die 530er Kette aus der Einbauanleitung.

Nachdem die GSX750F wieder bekleidet ist, empfehle ich unbedingt eine Probefahrt über ein paar Kilometer. Anschließend sollte man noch einmal prüfen, ob die Ö?lleitung fest an der Schwinge sitzt und alle Verbindungen dicht sind. Zum Schluß bleibt dann nur noch die Zeremonie über: (alkoholfreies) Bierchen aufmachen, auf die Kette blicken und langsam die Worte sprechen: “Nie wieder Spray”. Prost!

9 Kommentare zum Artikel “Montage des Kettenölers ‘CLS200u’ an der GSX750F”

  1. Reschpeggd! Hört sich nach ziemlich öliger Arbeit an. Ich würde ja in die Werkstatt fahren und das Ö?lspenderdingens dort einbauen lassen. Ein Bier würde ich mir danach aber trotzdem aufmachen, mit Alkohol selbstverständlich.

    • Ich dachte, Frauen trinken nur Kaffee und Wasser? *duck*

      • Deine Quellen scheinen nicht gut unterrichtet zu sein. Die Emanzipation, das Luder, ist bis in die letzten Männerdomänen vorgedrungen … Hütet euch gut, demnächst lernen Frauen auch noch, im Stehen zu pinkeln … Dann ist die vorletzte Bastion gefallen :-)

      • So so … das glaube ich erst, wenn ich es sehe. Wann hast du Zeit? :-P

        • Ich sagte nicht, dass ich über diese Fähigkeit verfüge, doch verschiedene Quellen (!) berichteten über die rein technisch vorhandene Möglichkeit. Meinst du ernsthaft, ich lästere über die Freiluftpinkelpraktiken der Urinalterroristen und suchte mir selbst ein Mäuerchen zum Bewässern? Etwas zu können bedeutet nicht zwingend, es auch tun ;-)

          • Nur der Vollständigkeit halber: Dass ich bei diesem Thema leicht allergisch reagieren kann, habe ich hier http://moggadodde.myblog.de/moggadodde/art/3804647/Der_Veterinartheologe#comm schon einmal beschrieben.

          • Schönes Posting.

            Wenn ich daraus deine höchstpersönlich geschriebene Formulierung “Nun bin ich eine Frau, uriniere selten bis gar nicht stehend” analysieren darf, fällt mir dazu folgendes ein:

            1. durch das bis wird ein Bereich beschrieben, der von selten bis gar nicht reicht
            2. da gar nicht für sich genommen eine eindeutige Beschreibung wäre, hast du offensichtlich einen Bereich genutzt, weil gar nicht nicht alle Fälle abdeckt.

            Also pinkelst du gelegentlich im Stehen. Vielleicht nicht 15 Meter neben dem Erleichterungsvehikel, aber von einem Ort war ja hier auch gar nicht die Rede ;-)

          • Woher wusste ich, dass du mich DARAUF festnagelst? Sagen wir einfach so: Ich bin nicht mehr im Training, Ich habe meine Ideologie geändert und erkenne, wenn eine Aufgabe zu groß für mich ist :-)

  2. Den CLS Kettenöler habe ich auf der Bandit auch drauf und das mittlerweile seit 10 Jahren, geht immer noch einwandfrei, einfach im Frühling neu einstellen und gut ist. Der Heiko macht das gut!

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