Wieder einmal in Bern, diesmal wieder an einem Donnerstag. Die Donnerstage unterscheiden sich von den anderen Tagen insofern, dass an den Donnerstagen die Geschäfte länger auf haben und viele Menschen durch die kleine Stadt pilgern. Bern ist an den Donnerstagen kaum wiederzuerkennen: ein deutlich vernehmbarer Hauch von Leben zieht durch die Gassen. Das Leben setzt sich dann glücklicherweise auch nach Geschäftsschluß fort. An diesem Donnerstag war mir aber mehr nach einem ruhigen Abend. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt und zwei bleifreien Clausthalern im Quasimodo machte ich mich bereits gegen 23 Uhr auf den Weg zurück zum Hotel, um dort noch ein Stündchen zu lesen.
Kurz vor dem Hotel befindet sich ein größerer Platz mit einem Schachbrett, auf dem gespielt wurde. Ein paar Leute standen daneben, schauten dem Spiel zu und ich gesellte mich auch kurz dazu. Vermutlich ist es 10 Jahre her, dass ich mal Schach gespielt habe und ich fand es einfach interessant, das Spiel kurz zu beobachten. Kurz war dann relativ, die hin- und herkippende Partie war genauso wie die nachfolgenden Partien hochgradig spannend. Viel Worte wurden nicht verloren, die beiden Spieler und der zum Schluß einzig verbliebende weitere Zuschauer waren in das Spiel abgetaucht.
Einer der beiden Spieler meinte nach dem Ende einer weiteren Partie, dass es schon nach halb zwölf wäre und sein letzter Zug bald fahren würde. Ich runzelte aufgrund der inzwischen verlassen wirkenden Stadt und der unangenehmen Kälte die Stirn, holte meine Hirnprothese raus und stellte fest, dass es bereits viertel zwei war. Der andere Zuschauer bestätigte die Zeit. Ich vernahm von dem Spieler mit dem vermeintlich verpaßten Zug ein gefluchtes “Mist”, dann ging er zu einem Fahrrad, stieg auf, verhaarte kurz, schüttelte den Kopf und meinte nur “So ein Blödsinn, ich bin ja mit dem Fahrrad da”. Das nenne ich in das Spiel vertieft gewesen sein.