Artikel mit dem Tag ‘Bücher’

Simplifizierungsdefizit im Vorwort

et ar i norge Simplifizierungsdefizit im VorwortSamstag nachmittag, die Dämmerung verdrängt im Siegestaumel das letzte Tageslicht. Mein Kopf liegt an der Rücklehne meines Ohrensessels, meine Füße auf dem Hocker davor, rechts neben mir steht eine Jumbotasse mit Pulver-Cappucino. Diese Leselampe auf der linken Seite wirft ihr weiches Licht auf die Seiten des Buchs mit dem Titel “Et år i Norge” – dem Lehrbuch für den Norwegisch-Kurs an der Volkshochschule.

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“Der Tanz um die Lust”, Ariadne von Schirach

der tanz um die lust Der Tanz um die Lust, Ariadne von Schirach“Jugend und Schönheit sind das Maß aller Dinge in unserer Gesellschaft. Alles scheint käuflich, alles wird mit Sex verkauft. Wie ist erotische Begegnung noch möglich in dieser entfremdeten Welt? Wie inszenieren wir uns selbst als begehrenswert, und wie können wir selbst noch begehren?”

Ähnlich wie bei meiner letzten Buchbeschreibung weiß ich nicht mehr wie es kam, dass ich das Buch plötzlich in meinen Händen hielt. Ich habe es in einer Buchhandlung in Hamburg gekauft, in der ich war um wie nach einer bestimmten Reiselektüre zu suchen. Vielleicht war es das letzte Wort im Titel zusammen mit dem schönen dunklen Rot des Umschlags, dass die Hand in das Regal führte. Mehr als den oben zitierten Satz von der Rückseite des Buchs hatte ich nicht gelesen, das weiß ich noch. Könnte was sein, dachte ich mir wohl, steckte es jedenfalls ein und stöberte dann erst weiter durch die Buchhandlung und dann durch Hamburg.

Auch dieses Buch lag wieder einige Monate in meinen Regalen mit den rund 100 ungelesenen Büchern (wenn es weniger sind, kriege ich Panik und kaufe wieder welche). Die 380 Seiten verflogen in den wenigen Abenden wie im Nu, zum einem dank des meist flotten und lockeren Schreibstils, zum anderen aufgrund des Wechselbades an Zustimmung und Widerspruch beim Lesen. Aber wie sage ich so gerne: “meine eigene Meinung kenne ich schon, die muss ich nicht noch lesen”.

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“Der Weg des wahren Mannes”, David Deida

der weg des wahren mannes Der Weg des wahren Mannes, David DeidaIch weiß nicht mehr, wo ich dieses Buch gekauft habe. In irgendeiner Buchhandlung auf irgendeinem Grabbeltisch fiel es mir in die Hände. “Der Weg des wahren Mannes” heißt der Titel. “Definiere wahrer Mann”, war meine erste, innerlich gestellte Frage, “sollte den Weg der wahre Mann nicht selbst finden”, die zweite. Meine Finger glitten durch die Seiten, fanden zwei oder drei interessante Aussagen und trotz meiner geringen Erwartungshaltung befand sich das Buch an der Kasse zwischen den anderen.

Anschließend lag es dann einige Monate in dem Regal mit den ungelesenen Büchern. Etwas weiter links die heimlichen Augen, etwas weiter rechts Berichte von weltreisenden Motorradfahrern. Alleine schon der Untertitel hat mich immer wieder vom Lesen abgehalten: “Ein Leitfaden für Meisterschaft in Beziehungen, Beruf und Sexualität”. Ich fand den Ansatz so realistisch wie die “5-Punkte Checkliste für ein glückliches Leben” oder den “14 Tage Plan für lebenslange Gesundheit”. Wie kann jemand das Wort “Meisterschaft” in Verbindung mit Beziehungen oder der Sexualität verwenden?

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“Ultima Ratio”, Thea Dorn

ultima ratio Ultima Ratio, Thea DornBei “Ultima Ratio” handelt es sich um eine Sammlung von mehr oder minder kurzen Kurzgeschichten. Die Schrift ist eher groß, das Taschenbuch läßt sich daher gut an einem Nachmittag lesen – sofern man einen Hang zu schwarzem Humor und morbiden Texten mitbringt. Weiterhin möchte ich Mitglieder der männlichen Spezies darauf hinweisen, dass Frau Dorn in ihrer weiblichen Realitätsferne offensichtlich Männer als wenig nützliche, meist störende Zeitgenossen einschätzt.

Dieses fiktive Element zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch – bildlich gesprochen, das Buch ist ja nur ein schwarz-weiss Druck. Ein schönes Beispiel ist die erste Geschichte. In den vereinzelt eingestreuten sexuellen Szenen hinterlassen die männlichen Figuren nicht nur den Eindruck hilflos zu agieren, sondern darüber hinaus auch quasi von der Frau gesteuerte atmende Dildos zu sein. Der einzige Lichtblick dieser Geschichte: die Protagonistin kommt am Ende um.

Der abgrundtiefe Hass der Autorin gegen alles männliche manifestiert sich in einer anderen Geschichte, in der der auf ein Sexobjekt reduzierte Mann (*seufz*) mittels einer ruckartig entfernten Wachsschicht auf seiner Brust eine “Spontanenthaarung” über sich ergehen lassen muß. Ich kann ja verstehen, wenn eine Frau beim Mann die Enthaarung im Intimbereich wünscht – wer hat schon gerne Haare im Mund? Aber auch da bitte mit etwas mehr Gefühl.

Ich empfehle Frau Dorn schnellstmöglich eine Therapie anzufangen und allen Lesern, bei denen ich jetzt das Interesse an diesem Buch geweckt habe, es unbedingt zu lesen. Über weitere Kurzgeschichten von Frau Dorn würde ich mich übrigens sehr freuen.

“Talk Talk”, T.C. Boyle

talk talk Talk Talk, T.C. BoyleAb und zu habe ich blöde Gedanken. Zum Beispiel den, ein englisches Buch zu kaufen in der festen Absicht, dies auch zu lesen um damit die eigenen Englischkenntnisse zu verbessern. Die Erfahrung zeigt, dass diese Bücher dann im Regal stehen und dort stehen bleiben. Letztens war es wieder so weit. Ich schlenderte in Hannover in den Lehmanns und stolperte über einen Tisch, auf dem das Buch “Talk Talk” von T.C. Boyle lag. Der Appetizer auf der Rückseite war offensichtlich gut formuliert, kurze Zeit später stand ich mit dem Buch an der Kasse. Diesmal verstaubte das Buch nicht im Regal.

Die Geschichte dreht sich um einen Identitätsdiebstahl. Eine Frau wird wegen diverse Delikte, die sie nicht begangen hat, verhaftet. Nachdem geklärt ist, dass jemand anders unter ihrem Namen die Delikte begangen hat, macht sie sich mit ihrem Freund auf die Suche nach dem Schuldigen. Der Autor deutet nur sporadisch an, wie der Täter die andere Identität nutzt. Der Spannung tut dies zwar keinen Abbruch, die Geschichte verliert damit aber etwas an Ernsthaftigkeit.

Das Buch läßt sich aus meiner Sicht mit einem mittelmäßigen Englisch bereits gut lesen. Ich habe die mir unbekannten Vokabeln einfach überlesen, ohne das Gefühl gehabt zu haben, wesentliche Teile der Geschichte, der Charakterbeschreibungen, der Atmosphäre oder Situationen dabei verloren zu haben. Vermutlich ist das auch der Trick, um englische Bücher nicht nur ins Regal zu stellen, sondern sie zu lesen: einfach lesen, nicht die unbekannten Wörter nachzuschlagen.