Wenn ich Bier trinke, dann meistens Hefeweizen. Genau genommen trinke ich es dann in der Regel auch nicht nur, sondern geniesse es. Meine Nase wandert langsam über das Glas, nimmt den Geruch auf – trinken tue ich es in kleinen Schlückchen, lasse die Flüssigkeit langsam im Mund kreisen, bevor ich sie schlucke. Anschließend kann es auch passieren, dass die Zunge über die Lippen streicht, um auch den letzten Tropfen aufzunehmen. Gewisse Parallelen zum Liebesspiel sind offensichtlich – sozusagen eine Art gesellschaftlich akzeptierte, öffentliche Selbstbefriedigung.
Schöfferhofer, Franziskaner, Paulaner oder Maisels – es muss cremig schmecken und im Mund kribbeln. Das typisch nordische Leibgetränk Pils kann da nicht mithalten, das bayrische Helle sowieso nicht – das Kristallweizen auch dann nicht, wenn es ohne Reiskorn oder Zitronenscheibe serviert wird. Wobei ich letzteres eh als eine Unart empfinde – wenn ich Hunger habe, esse ich etwas Richtiges.
Was mich zu diesem Posting treibt ist die Gefühlslosigkeit, mit der hinter vielen Theken das Hefeweizen serviert wird. Häufig wird es wie ein Pils oder eine Cola in ein Glas gekippt, so dass im schlimmsten Fall der untere Teil im Glas sogar mehr oder minder klar bleibt – wie im oberen Bild zu sehen. Wie gerade dargelegt gibt es gewisse Parallelen zwischen dem Geniessen eines Hefeweizens und dem Liebesspiel. Dementsprechend muss man ein Hefeweizen auch mit viel Liebe einfüllen, man muß sich dabei Zeit lassen – die Flüssigkeit muß trübe sein, wie im linken Bild schön zu sehen.
Für alle Hefeweizen-Unkundigen: man giesse den größten Teil des Weizens flach in ein Glas, damit nicht zuviel Schaum entsteht, ungefähr 2 bis 3 cm beläßt man in der Flasche. Wer sich die Flasche jetzt genauer anschaut, wird feststellen, dass sich am Flaschenboden die Essenz des edlen Gesöffs befindet: die Hefe. Diese löst man indem man entweder die Flasche zwischen den beiden Handflächen schnell hin und her dreht oder die Flasche flott auf der Theke kreisen läßt. Diese Tätigkeit gehört zum genussvollen Vorspiel und sollte daher nicht im Drei-Sekunden Akkord runtergespult sondern erst dann beendet werden, wenn keine Hefe mehr am Flaschenboden hängt. Schließlich ist es doch die Hefe, die für den cremigen Geschmack sorgt und wer möchte schon auf die Creme verzichten.