Freunde 2008
In seiner Rede auf der Eröffnungsfeier der CeBIT wies Steve Ballmer auf eine aktuelle MTV Studie hin, der zufolge Teenager und junge Erwachsene im Durchschnitt 53 Freunde hätten. “Zwanzig davon haben sich noch nie persönlich getroffen, sondern nur über E-Mail, Chatten oder soziale Websites wie MySpace oder Facebook”. Aha, er meint die Accounts bei Myspace! Nicknamen, die beim dritten ungünstig eingeworfenen Wort gleich wieder aus der Buddyliste verschwinden. Sind das Freunde?
Das “virtuelle Kontakte” in die heutige Medienwelt gehören, ist mir nicht nur bewußt sondern auch Teil meiner Welt. Ich habe Kontakt zu vielen Menschen, die ich nie gesehen habe und von denen ich viele vermutlich auch nie sehen werde. Manchmal nur für kurze Zeit, die ein oder andere Verbindung überdauert auch einige Jahre. Es sind Kontakte, die ich nicht missen möchte, die bei intensiveren “Gesprächen” meinen Horizont erweitern und mir bei lockeren “Gesprächen” immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Aber trotzdem, bezogen auf die reinen Netzkontakte: sind das wirklich Freunde?
Aber nun gut, Gesellschaften ändern sich und das ist prinzipiell auch gut so. Die Wertigkeit, die heute mit dem Begriff Freundschaft verbunden ist, hat sich halt auch geändert. Sei’s drum: letztendlich zählt nur die Bindung, nicht der Begriff. Dass die Kommunikationsmöglichkeiten auch helfen, Freundschaften “nach der alten Begriffsdefinition” enger zu gestalten, steht für mich im Übrigen auch ausser Frage.
So ganz nebenbei: die internationalen Jugend-Studien von MTV sind jedenfalls lohnenswerte Lektüre. Wer sich für die geänderten Verhaltensweisen der Jugend interessiert, die letztendlich im Laufe der Zeit mehr und mehr das Gesellschaftsbild prägen werden, findet dort den einen oder anderen Einblick.