Congratulations, Italy
Im übrigens habe ich mich sowieso geirrt. Nach Hause fahren muß eh keiner, es folgt ja für beide noch ein Spiel. Mein Gott, wie wenig ich davon verstehe. Spannend fand ich es trotzdem, bis zur 119. Minute.
Im übrigens habe ich mich sowieso geirrt. Nach Hause fahren muß eh keiner, es folgt ja für beide noch ein Spiel. Mein Gott, wie wenig ich davon verstehe. Spannend fand ich es trotzdem, bis zur 119. Minute.
Ok, ich gestehe – heute habe ich das erste Spiel der Fußball-WM gesehen. Vergessen die Baumarkt-Erlebnisse, die Häme vom ersten WM-Tag, nach dem Fremdgehen geht es nach Hause. Alle sagten mir, dass ich mir das Spiel Deutschland gegen Argentinien unbedingt anschauen muß. Die einen weil sie meinten, es wäre das letzte Spiel der deutschen Mannschaft in dieser WM – die anderen, weil man den ersten Favoriten nach Hause schicken würde.
Anstatt die freien Straßen für eine kleine Tour mit dem Moped zu nutzen, bin ich in das Peiner Mephisto gefahren und habe mir zu Pizza, KiBa und Latte Macchiato das Spiel angesehen. Mit mir waren vielleicht knapp 30 Leute dort, das Spiel war der reinste Krimi. Beim Ausgleich schlug ich plötzlich mit der Faust auf den Tisch – oops, was war mit mir geschehen? Keine Frage, beim nächsten Spiel sitze ich auch wieder dort.
Heute abend gewann Italien gegen die Ukraine. Wenn ich das richtig verstanden habe, ging es in dem Spiel darum, wer am 4. Juli nach Hause fährt. So weit haben es die Italiener dann ja auch gar nicht.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich demnächst meinen deutschen Paß abgeben muß: ich habe bislang noch kein Spiel der Fußball-WM komplett oder gar in nennenswerten Auszügen gesehen, nicht einmal die Ergebnisse interessieren mich wirklich. Das WM Fieber ist bislang nicht auf mich übergesprungen.
Gut, das stimmte in dieser Form zumindest bis Dienstag abend. Auf meinem Rundgang durch Zürich ging ich auch die Langstrasse entlang, die in einem Viertel mit sehr hohem Ausländeranteil liegt und die Multikulti-Atmosphäre versprach. Das Versprechen wurde gehalten, einzig bei der Kleidung war der weitgehend grün-gelbe Einheitslook auffällig. Brasilianer und Nicht-Brasilianer feierten in typisch südamerikanischer Art ausgelassen den Sieg der brasilianischen Mannschaft.
Während mir das Gejohle in deutschen Städten meistens auf den Keks geht, konnte ich mich dort der Begeisterung nicht verschließen. Vor zahlreichen Lokalen wurde getrommelt, leicht bekleidete Frauen und Männer (fast so athletisch gebaut wie ich, allerdings dunkelhäutiger ;-)) tanzten auf der Straße, dazu gab es Caipirinja bis zum Abwinken. Ich habe später noch eine Runde durch die Altstadt gedreht, zwei Stunden später wurde immer noch getanzt.
Schade, das Spiel hätte ich mir gerne dort in der Langstraße mit angeschaut – einfach wegen der Atmosphäre.
Prinzipiell fand ich den ersten WM Tag gar nicht so schlecht, einige Vorteile sind sogar unübersehbar. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass das Fitnessstudio an einem Freitag spätnachmittag schon einmal so leer war. Die Straßen waren, wie erwartet, relativ leergefegt. Die Tische draussen vor dem ausgewählten Cafe waren auch leer, die meisten sassen drinnen vor der Leinwand. Gut, ab und zu mußte man das Gespräch unterbrechen. Immer, wenn ein Tor fiel, drückte irgendein Halbhirn auf seine Pressluft-Tröte, aber da die meisten Tore des 4:2 vor unserem Eintreffen gefallen waren, hielt sich das Tröten in Grenzen.
Etwas bedenklicher fand ich das Verhalten der männlichen, mit einem weißen T-Com T-Shirt und schwarz-rot-goldenen Mützen bekleideten Wesen, die nach dem Spiel aus dem Lokal stürmten, um die Straße zu bevölkern. In einer Hand die Bierflasche, die andere eine Fahne schwenkend, liefen sie durch die Gegend und gaben Laute von sich, die ich eher dem Tierreich zuordnen wollte. Öööhhh… üüüühhh… oooohhhhllleeee. Kurzzeitig kam mir der fürchterliche Gedanke, ob alle Männer in den Momenten äußerster Freude derartige Töne von sich geben. Nein. Nein, dass glaube ich nicht – ich hoffe, dass es nicht so ist. Ich muß bei Gelegenheit mal die Frau fragen…
Ich freue mich – meistens, nicht immer. Über Dinge, die man selbst erlebt. Zum Beispiel wenn ich an einem Donnerstag abend nach weit mehr als einem Jahrzehnt mit der 750er dem Sonnenuntergang entgegen fähre, beim Erleben sowie bei der Erinnerung an gute Konzerte – aber auch wenn ich sehe, wenn andere sich über etwas freuen. Ich freue mich auch, wenn Fußballfans unbeschwert den Sieg “ihrer” Mannschaft feiern.
Langsam entsteht in diesem unserem Lande aber eine Massenhysterie. Auf Antenne Niedersachsen enthält jeder zweite Satz die Wortkombination “Weltmeister-März”, demnächst wird diese vermutlich durch den “Weltmeister-April” ersetzt. Unsere nationale Bolztruppe hat vor kurzem erst ein Debakel erlebt, aber alle gehen fest von dem Gewinn der Weltmeisterschaft aus. Nun gut, ich habe von dem Ballgetrete eh keine Ahnung. Immerhin kann man durch Umschalten auf Radio 21 nicht nur die Musik verbessern, das dusselige Gelabbere hat auch ein Ende. Fein, Fluchtweg gefunden – da gibt es noch einen.