Artikel mit dem Tag ‘Gesellschaft’

“Der Tanz um die Lust”, Ariadne von Schirach

der tanz um die lust Der Tanz um die Lust, Ariadne von Schirach“Jugend und Schönheit sind das Maß aller Dinge in unserer Gesellschaft. Alles scheint käuflich, alles wird mit Sex verkauft. Wie ist erotische Begegnung noch möglich in dieser entfremdeten Welt? Wie inszenieren wir uns selbst als begehrenswert, und wie können wir selbst noch begehren?”

Ähnlich wie bei meiner letzten Buchbeschreibung weiß ich nicht mehr wie es kam, dass ich das Buch plötzlich in meinen Händen hielt. Ich habe es in einer Buchhandlung in Hamburg gekauft, in der ich war um wie nach einer bestimmten Reiselektüre zu suchen. Vielleicht war es das letzte Wort im Titel zusammen mit dem schönen dunklen Rot des Umschlags, dass die Hand in das Regal führte. Mehr als den oben zitierten Satz von der Rückseite des Buchs hatte ich nicht gelesen, das weiß ich noch. Könnte was sein, dachte ich mir wohl, steckte es jedenfalls ein und stöberte dann erst weiter durch die Buchhandlung und dann durch Hamburg.

Auch dieses Buch lag wieder einige Monate in meinen Regalen mit den rund 100 ungelesenen Büchern (wenn es weniger sind, kriege ich Panik und kaufe wieder welche). Die 380 Seiten verflogen in den wenigen Abenden wie im Nu, zum einem dank des meist flotten und lockeren Schreibstils, zum anderen aufgrund des Wechselbades an Zustimmung und Widerspruch beim Lesen. Aber wie sage ich so gerne: “meine eigene Meinung kenne ich schon, die muss ich nicht noch lesen”.

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Freunde 2008

In seiner Rede auf der Eröffnungsfeier der CeBIT wies Steve Ballmer auf eine aktuelle MTV Studie hin, der zufolge Teenager und junge Erwachsene im Durchschnitt 53 Freunde hätten. “Zwanzig davon haben sich noch nie persönlich getroffen, sondern nur über E-Mail, Chatten oder soziale Websites wie MySpace oder Facebook”. Aha, er meint die Accounts bei Myspace! Nicknamen, die beim dritten ungünstig eingeworfenen Wort gleich wieder aus der Buddyliste verschwinden. Sind das Freunde?

Das “virtuelle Kontakte” in die heutige Medienwelt gehören, ist mir nicht nur bewußt sondern auch Teil meiner Welt. Ich habe Kontakt zu vielen Menschen, die ich nie gesehen habe und von denen ich viele vermutlich auch nie sehen werde. Manchmal nur für kurze Zeit, die ein oder andere Verbindung überdauert auch einige Jahre. Es sind Kontakte, die ich nicht missen möchte, die bei intensiveren “Gesprächen” meinen Horizont erweitern und mir bei lockeren “Gesprächen” immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubern können. Aber trotzdem, bezogen auf die reinen Netzkontakte: sind das wirklich Freunde?

Aber nun gut, Gesellschaften ändern sich und das ist prinzipiell auch gut so. Die Wertigkeit, die heute mit dem Begriff Freundschaft verbunden ist, hat sich halt auch geändert. Sei’s drum: letztendlich zählt nur die Bindung, nicht der Begriff. Dass die Kommunikationsmöglichkeiten auch helfen, Freundschaften “nach der alten Begriffsdefinition” enger zu gestalten, steht für mich im Übrigen auch ausser Frage.

So ganz nebenbei: die internationalen Jugend-Studien von MTV sind jedenfalls lohnenswerte Lektüre. Wer sich für die geänderten Verhaltensweisen der Jugend interessiert, die letztendlich im Laufe der Zeit mehr und mehr das Gesellschaftsbild prägen werden, findet dort den einen oder anderen Einblick.