Artikel mit dem Tag ‘Moskau’

Metro in Moscow

moskau2007 underground Metro in MoscowIch wollte ja noch ein Posting zu Moskau schreiben. Wollen reicht aber nicht, man ich muß es auch tun. Tun heißt in diesem Fall Schreiben über die Metro in Moskau. Die Moskauer Metro erinnerte mich in mehrfacher Hinsicht an die Underground in London. Sei es das große, weit verzweigte Netz, in dem die Abstände der einzelnen Stationen zum Teil beträchtlich sind. Ebenso der technische Zustand der Züge, der ohne zusätzliche Kosten Abenteuerlust und Spannung bietet – z.B. die Frage, ob der Zug es bis in die nächste Station schafft.

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Kontraste der Gastfreundschaft

Die russische Gastfreundschaft ist eine, die sich wie so vieles besser erleben als beschreiben läßt. Die Fürsorglichkeit, mit der sich die russischen Kollegen um fast alles kümmern, grenzt für einen Westdeutschen schon an einen Kulturschock. Da ist schon etwas Fingerspitzengefühl nötig, um den Samstag alleine verbringen zu können und nicht in einem organisierten Rahmenprogramm. Während dies alles prinzipiell noch über die Firmenverbundenheit zu erklären wäre, gibt es auch andere Beispiele, die den generellen Eindruck verstärken. Als Beispiel sei nur die Russin in der Metro erwähnt.

Bei einem Abendessen hörte ich dann, welche Erlebnisse mein Kollege in Baden-Baden machen durfte. Er war dort mit seiner Familie im Urlaub und sie setzen sich gegen halb zwölf an einen der zahlreichen freien Tische in einem italienischen Restaurant. Sie bestellen Kaffee und Eisbecher, für ein Mittagessen war es nach dem ausgiebigen Frühstück noch zu früh. Die Bestellung wurde abgelehnt: entweder würden sie richtig zu Mittag essen oder sie müßten gehen. Sie sind dann gegangen, sie wollten keinen Ärger haben. Einfach beschämend…

Russische Fahrstühle

An meinem Freitag abend in Moskau verliessen wir zu späterer Stunde das Büro. Wir waren zu dritt und nahmen noch etwas Müll mit raus – in den kleinen Fahrstuhl paßten wir daher nicht mehr alle drei rein. Ich ging in den Fahrstuhl, der gerade seine Türen öffnete und einer der Kollegen sprang hektisch hinterher. Die Begründung für sein Verhalten folgte schnell: ich dürfe nicht alleine Fahrstuhl fahren. “Warum nicht”, fragte ich zurück. Die Antwort war dann plausibel: “du sprichst kein russisch, die können dich nicht verstehen”. Wenn der Fahrstuhl hängen bliebe, könne ich mich nicht verständigen und der Techniker, sofern sich einer melden würde, wüßte nicht einmal, wo ich wäre.

Der Fahrstuhl bewegte sich nach unten und die knarrenden und schabenden Geräusche waren nicht unbedingt sehr vertrauenserweckend. Ob es häufig passieren würde, dass der Fahrstuhl hängen bleibt, fragte ich. “Och, eigentlich nicht”, war die Antwort, unmittelbar gefolgt von der Frage, ob ich noch ins Gorbushka wollte. Der Themenwechsel war für mich Antwort genug.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser

Airport Munich / Flughafen MünchenBeim Aussteigen aus dem Bus auf dem Münchener Flughafen, der ja eigentlich Erdinger Flughafen heißen müßte, hatte ich den Gedanken, dass die genauen Kontrollen auf den deutschen Flughäfen nichts nützen, wenn jemand über einen Flughafen einreist, auf dem das lockerer gesehen wird. Die Kontrolle in Moskau war diesmal ein Witz und kein Vergleich mit der vom letzten Jahr.

Kaum gedacht, stand ich schon in der Schlange für die Gepäckkontrolle. Es gab zwar für jeden der zwei Durchgänge jeweils zwei Kontrollanlagen, aber nur eine wurde jeweils für den fast vollen Airbus 319 aus Moskau genutzt. Vermutlich 100 Passagiere warteten vor jeder der Anlagen mit zunehmender Ungeduld, die mit Anschlußflügen nicht ganz zu unrecht. Ich hatte eine knappe Stunde Überlappung, davon blieben 20 Minuten über. Wenn der Inhalt einer Tasche nach der Durchleuchtung genauer untersucht wurde, geschah dies direkt an der Durchleuchtungsanlage – das Laufband stand während dieser Zeit natürlich, genauso wie die Passagiere. Das habe ich schon mal besser erlebt.

Der Mut der Russen

Balkon im Hotel Sputnik, MoskauMein russischer Kollege ist ein ganz lieber Kerl und für einen Russen von einer erstaunlich vorsichtigen Sorte. Er fährt mit Sicherheitsgurt und im Stadtverkehr nicht viel schneller als 90 km/h. Seine Kollegen werfen ihm vor, er hätte zu wenig Mut, sagte er mir.

Nach der Zimmerprüfung im Sputnik-Hotel ging ich mit dem Kollegen noch zum Balkon an der Ostseite des Gebäudes, um ein paar Panaroma-Fotos zu machen. Die Tür war nur angelehnt, der Balkon aber nicht unbedingt das, was ich erwartet hatte. Auf zwei dicken, rostigen Stahlträgern waren quer im Abstand von einigen Zentimetern Eisenstreben aufgeschweißt – dazu gab es noch ein Geländer. Die Streben sahen aus, als ob sie seit ihrer Montage 1968 keine Wartung erfahren hatten. Die Aussicht war aber zu schön, also tastete mein Fuß auf die Streben.

“Willst du da rausgehen”, fragte mich mein Kollege. “Ja, klar, wieso nicht?”, frage ich zurück. “Ich gehe da nicht drauf”, meinte er. Mein tastender Fuß stand inzwischen fest auf den Streben, mein Bauch sagte “go for it” und einen Augenblick später stand ich auf dem Balkon. Ich blickte zu meinem Kollegen und sah seinen skeptischen Blick. “Du hast zu wenig Mut”, sagte ich zu ihm, und er mußte grinsen. Das Gespräch über den Mut hatten wir gerade auf der Fahrt zum Hotel gehabt.