9 Pässe, 3 Länder und einmal zollfrei tanken

Blick auf den Brienzer See von der NordseiteWie gut, dass ich im Vorfeld keine Zeit hatte, für die 2008er Tour irgendwelche Planungen zu machen. Selbst die Handvoll Ideen, die mir im Kopf schwirrten, verpufften teilweise aufgrund hoher, von oben herabkommender Luftfeuchtigkeit. Hatte ich ursprünglich die Idee gehabt von Bern aus in Richtung Südtirol zu rollen, um den Dolomiten einen Besuch abzustatten, kündigte der Wetterbericht genau für diese Region viel Regen und Gewitter an. Beides kannte ich schon aus dem Schwarzwald, mein Interesse an der Südtiroler Variante war nicht sehr ausgeprägt.

Ausblick von der Nordwestseite des GrimselpassAm Mittwochabend habe ich mir in einem Berner Café überlegt, wohin ich denn am Donnerstag fahren könne. Der Wetterbericht für Ö?sterreich sah besser aus und Pässe gibt es dort ja auch, wie ich vom Hörensagen wusste. Und dann gab es da ja noch etwas, dass ich tief in meinen Hirnzellen verbuddelt hatte für den Fall, dass ich dort mal in der Nähe vorbeikommen sollte: der Aqua Dome in Längenfeld. Eine Wellnessanlage gehobener Art mitten zwischen den Bergen. Gut, sagte ich mir, wenn der Wettergott nicht möchte, dass ich in diesem Jahr die Dolomiten sehe, gegen etwas Therme und Sauna wird er kaum etwas einwenden können.

Der Ort Längenfeld im Ö?tztal war auf der Karte schnell gefunden. Die Streckenlänge schätzte ich auf rund 550 Kilometer, in den Alpen nicht unbedingt eine kleine Nummer. Ansonsten fehlte nur noch ein Zimmer. Der Aqua Dome gehört zwar zu einer Hotelanlage, Zimmerpreise in der Gegend von knapp 200 EUR empfand ich für den Zweck der Übernachtung aber nicht angemessen. Ich buchte nichts, suchte mir aber ein paar Pensionen raus und notierte die Telefonnummern, um von unterwegs aus nach Zimmern fragen zu können. Donnerstag durch die Alpen ballern, Freitag ein bisschen rumrollen und anschließend saunen: die neue Idee hörte sich gut an, nicht schlechter als die alte.

Der Totensee auf dem GrimselpassVon Längenfeld aus gesehen liegt Bern im Westen – ich musste mich daher ostwärts orientieren, von Bern aus betrachtet. Das klingt kompliziert, ist aber eigentlich ganz einfach und logisch, weil ich mich noch in Bern aufhielt. Gegen 8 Uhr 30 verließ ich das Hotel und schnallte mein Gepäck auf die Sitzbank. Der Kollege mit der GSX1400 stand auch schon bereit, er hatte sich einen weiteren Tag frei genommen und wollte mich ein Stück begleiten.

Bikertreff an der Nordwestseite des GrimselpassIch hatte am Abend zuvor im Café eine grobe Route aus kleinen Straßen im Auge gehabt, die mich bis zum Grimselpass führen sollten. Der Kollege schüttelte den Kopf: dort gäbe es viel Berufsverkehr, das würde keinen Spaß machen. Er fuhr voraus und ehe ich mich versah waren wir wieder auf einer Autobahn, die uns diesmal bis kurz vor Interlaken brachte. Kurz hinter Interlaken wechselte er auf die Nordseite des östlich liegenden Brienzer Sees. Über Brünigen und Meiringen erreichten wir Innertkirchen.

Das Leben ist eine Folge von Entscheidungen: Grimsel- und Furkapass oder Sustenpass, das war jetzt die Frage. Ich hatte an den Tagen zuvor mit drei Schweizer Kollegen gesprochen. Zwei empfahlen die Kombination aus Grimsel und Furka, einer empfahl den Susten. Die beiden Grimselfans fuhren Mopped, der Sustenfan Fahrrad. Ich ging in mich und dachte kurz nach: es vibriert beim Fahren zwischen den Beinen, treten muss ich auch nicht, ich fahre also kein Fahrrad. Ich entschied mich daher für die Kombination aus Grimsel- und Furkapass und verschob den Sustenpass auf meinen nächsten Besuch.

Bikertreff an der Südostseite des GrimselpassDer Sustenpass zweigt von Innertkirchen in nordöstlicher Richtung ab, wir fuhren weiter in südöstlicher Richtung zum Grimselpass. Wer bundesstraßenartige Straßen mag, auf denen er gut ballern kann, wird den Grimselpass mögen. Ballern muss man auch, jedenfalls dann wenn man an den zahlreichen Dosen vorbeikommen möchte. Der Grimselpass ist die Hauptverbindungsstrecke zwischen dem Berner Oberland und dem Wallis, dementsprechend sind auch die Verkehrsverhältnisse. Auf halber Höhe erwartete uns ein kleiner Stau an der roten Ampel einer Baustelle. Wir rollten nach vorne, wo bereits ein knappes Dutzend anderer Moppeds stand und hatten dann zumindest auf der zweiten Hälfte freie Fahrt. So richtig lang ist der Grimselpass auch nicht, der Pass in 2.165 m Höhe war zumindest gefühlt wenige Minuten später erreicht.

Abfahrt vom Grimselpass (Blick auf Gletsch)Oben angekommen sah ich im Rückspiegel ein interessantes, wenn auch karges Panorama und eine Linkskurve später einen kleinen See an der Außenseite. Der Kollege kannte dies alles, ignorierte meine Zeichen und fuhr einige hundert Meter weiter zu einer Gaststätte. Auf dem Parkplatz standen ausschließlich Motorräder Töffs. Zwischen den fahrbaren Varianten gab es noch eine Handvoll aus Schrott zusammengeschweißter Exemplare, teilweise einschließlich Fahrer und Sozia. Offensichtlich hatte der Wirt hier auch eine künstlerische Ader.

Während sich mein Kollege um die Bestellung der Cappuccinos kümmerte, fuhr ich noch einmal zur Nordwestseite und machte ein paar Fotos. Im Gegensatz zu der von Bikern dominierten Ostseite tummeln sich an der Westseite auch viele Dosen. Am Ende des Parkplatzes direkt an der Westkante befindet sich ein Schotterplatz, mitten auf diesem wiederum ein größerer Fels. Eine Frau lag in einem Buch lesend auf selbigem und lies sich von der Sonne wärmen. Die Idee hätte von mir sein können.

Blick vom Furkapass zurück zur Südostseite des GrimselpassEine kleine Pause und einen Cappu später rollten wir weiter, hielten aber wenige hundert Meter später an der Außenseite der folgenden Kurve. Wer die Fotos von den Serpentinen des Grimsel- und Furkapass kennt, von hier aus kann er selbst welche machen. Wer hinter den Leitplanken bis zur Felskante geht, hat einen wunderbaren Blick auf die ins Tal führende Straße vom Grimselpass, die gleich im Anschluss wieder in weiten Schwüngen zum Furkapass ansteigt.

Die Farben der AlpenDie Strecke vom Grimselpass bis runter nach Gletsch, wo sich auch die Baumgrenze befindet, war wieder flott zu fahren – Verkehr gab es auch hier mehr als Not tat. Wer in Gletsch an der Abzweigung im Ort links fährt, befindet sich unverzüglich auf der Straße zum Furkapass. Bei der Auffahrt zum Furkapass stellte ich fest, dass ich viel mehr im Getriebe rühren musste als mein Kollege, um zwischen den Kehren den Dosen mein Nummernschild zu zeigen und um das vom Kollegen nicht aus den Augen zu verlieren. Hubraum ist halt nur durch Hubraum zu ersetzen: 1400 ccm gegen 750. Aber wie auch immer: im Getriebe rühren macht ja auch Spaß.

Der Verkehr auf dem Furkapass war vermutlich nicht schlimmer als am Grimsel, langsam empfand ich ihn aber als horrend. Gefühlt war ich mehr auf der Gegenspur als auf der eigenen. Mein Kollege wies mich später darauf hin, dass es am Wochenende noch schlimmer sei – wie beruhigend. Die Passhöhe von 2.436 m passierten wir ohne zu halten. Für Filmfreaks dürfte der Furkapass, auf dem auch die europäische Wasserscheide verläuft, eine größere Bedeutung haben. Szenen aus dem Film „Goldfinger” mit Gert Fröbe und Sean Connery wurden hier gedreht. Ich weiß aber nicht, ob der Drehort von der Straße aus einsehbar ist.

Die Äste schweben gut 100 Meter über der TalsohleÜber ein paar weitere Serpentinen bergab erreichten wir Realp, über ein Stück flache Landstraße schließlich Andermatt. Am Ortsausgang von Andermatt beginnen die Serpentinen zum Oberalppass, die zweite Hälfte der Straße bis zur Passhöhe von 2.046 m ist aber serpentinenfrei und eher mit einer Hochalpenstraße vergleichbar. Wieder im Tal angekommen wartete eine Art Bundesstraße auf uns, die uns bis Ilanz führte.

Straße zwischen Versam und BonaduzIn Ilanz bogen wir auf eine Nebenstraße. Über Castrisch, Valendas und Versam erreichten wir am Ende von ein paar sehr schön zu fahrenden Serpentinen eine Brücke über eine Schlucht. Wir stoppten hinter der Brücke und machten eine Pause. Für mich erstaunlich: der Parkplatz hinter der Brücke endet direkt an der Schlucht. Wer sich mit dem Fuß bis an den Rand traut, schaut geschätzte 100 Meter senkrecht nach unten. Ein Geländer gibt es nicht, die einzige Absicherung ist der eigene Verstand.

Ich schaute auf die Uhr, schätzte meine relative Position zu Längenfeld in Ö?sterreich ab und kam zu dem Entschluss, dass ich es bis Längenfeld schaffen sollte. Ich rief bei meinem Favoriten von den ausgesuchten Pensionen an und hatte Glück: ein Zimmer war noch frei. Eine Tüte Kekse, eine Flasche Wasser, zwei Ö?pfel und unzählige Bikergrüße mit dem Durchgangsverkehr später setzen wir uns wieder auf unsere Maschinen und fuhren weiter nach Bonaduz.

Schweizer Idylle auf dem AlbulapassIn Bonaduz bogen wir in südlicher Richtung auf eine stark, auch von vielen LKWs befahrene Straße nach Thusis ab. Die Abzweigung in Thusis nach Tiefelcastel war fast eine Erlösung, ich wurde in der endlosen Fahrzeugschlange schon langsam unruhig. Kurze Zeit später verließen wir die gut ausgebaute Straße und fuhren über Surava und Filisur auf eine kleine Straße in Richtung Albulapass. Die kleine Straße ist von der Straßenführung her ein Traum in Kurven, von dem Belag her aber sehr schlecht. Wer hier ohne versetzendes Hinterrad die Passhöhe von 2.312 m erreicht, hat vermutlich geschoben.

AlpenpanoramaOben angekommen gönnten wir uns im Hospiz eine Abschiedsmahlzeit, für den Kollegen war hier der Wendepunkt erreicht. Bei der Sichtung der Preise erschrak ich zunächst, aber wir waren ja noch in der Schweiz. 20 CHF für eine Portion Spaghetti, umgerechnet knapp 13 EUR, sind dann eher als normal anzusehen. Dafür gab es schweizerische Bilderbuchatmosphäre. Kühe mit Glocken um den Hals mühten sich am Hospiz vorbei den Berg hoch. Die Heidi lief mir aber nicht über den Weg und ein Alphorn hat auch keiner geblasen.

Vom Hospiz aus führt die Straße zunächst noch über ein Plateau, bevor sie sich dann nach La Punt runter schwingt. Über Samedan und Pontresina erreichte ich den Bernina Pass an der östlichen Grenze der Schweiz. In diesem Teil der Schweiz, dem Kanton Graubünden, befindet sich die sprachliche Minderheit der Rätoromanen. Heute dürften vielleicht noch grob geschätzt 30.000 Menschen diese Sprache als Hauptsprache nutzen. Die Sprache befindet sich auf dem Rückzug – vermutlich ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie ausstirbt.

Abfahrt vom BerninapassAuf dem Pass (2.328 m) gibt es unterhalb der Wirtschaft einen großen Parkplatz und direkt auf dem Pass einen kleinen zwischen den beiden Fahrspuren – der kleine ist fest in Bikerhand. Hier lohnt sich auf jeden Fall ein Stopp. Die Aussicht vom Rand der Straße auf die mal kupferfarbene, mal grün-graue Bergwelt auf der Ostseite ist fantastisch! Die Farben änderten sich zudem, je nachdem wie stark sich die Sonne durch die Wolken kämpfte.

Zollfreies Tanken in LivignoDie Abfahrt an der Ostseite des Berninapass war sehr spaßig, zwei Handvoll Kurven später kam aber die Abzweigung nach Livigno, die ich eigentlich ein Stück weiter höher erwartet hatte. Kurz hinter der Abzweigung überquerte ich die italienische Grenze. Die Straße führt durch ein Tal bis Livigno, einer ca. 1000 Jahre alten Gemeinde mit etwas mehr als 5.000 Einwohnern. Aufgrund seiner exponierten und im Winter praktisch nicht erreichbaren Lage wurde Livigno im Jahr 1805 von Napoleon zur zollfreien Zone erklärt.

Auch wenn Livigno heute von wenigen Ausnahmen abgesehen ganzjährig erreichbar ist, wurde dieser Status vor ca. 100 Jahren von Italien und vor knapp 50 Jahren von der europäischen Union bestätigt. Abgesehen davon, dass die Fahrt durch das schöne Tal ein Augenschmaus ist, hat Livigno noch einen weiteren Vorteil: der Sprit ist im Vergleich zum restlichen Europa sehr günstig. Auch wenn bei mir der Tank fast voll war und nur fünf Liter reinpassten: dass ich für 1,05 EUR den Liter getankt hatte, war schon ein Weilchen her.

Auffahrt zum Stilfser JochZwischen Livigno und der Hauptattraktion dieser Tour lag nur noch der Passo di Foscagno. Die Anfahrt zu dem 2.291 m hohen Pass ist überschattet von einem nicht enden wollenden Überholverbot. Ich war hellauf begeistert auf der je Fahrtrichtung einspurigen Straße hinter zwei Pkws zu stecken, die vermutlich selbst im freien Fall die 40 km/h nicht überschritten hätten. Die Aussage von anderen Alpenfahrern im Gedächtnis, dass an den Pässen auch gerne mal ein Beamter oben mit dem Fernglas steht, um Überholsünder zu entdecken, hielt mich zunächst vom Überfahren der weißen Linie ab. Anscheinend galt das Überholverbot hier aber nicht für Moppeds – ich gehe zumindest davon aus, dass sich die Einheimischen sonst auch dran gehalten hätten.

Ausblick von der Ostseite des Stilfser JochAuf der anderen Seite des Passo di Foscagno wartete Bormio und hinter Bormio der bislang noch mautfreie Passo dello Stelvio, auch als Stilfser Joch bekannt. Mit 2.757 Metern ist es der zweihöchste asphaltierte Pass der Alpen und zudem keiner, der zu den einfachen zählt. Mit der ersten Kehre waren sie da, die sachlich belegbaren Aussagen der diversen Berichte: hier trennt sich die Spreu vom Weizen, hier zeigt sich wer Mann ist oder nur Bub, wer Eier hat oder keine, wer Müslifresser ist oder Biker. In meiner Euphorie vergaß ich sogar kurzzeitig, dass ich Müsli mag.

Um es kurz zu machen: das Stilfser Joch war das Highlight meiner diesjährigen Alpentour und mit einer Ausnahme der einzige Pass, der mit den Eindrücken von der Route des Grandes Alpes mithalten konnte. Er ist oben ähnlich rau wie die höheren Pässe in den französischen Alpen, auch die Straßenführung hat mich an die Westalpen erinnert. Seine charakterbildenden Zähne zeigt die Passstraße zum einem in zahlreichen unbeleuchteten, abknickenden Tunnels auf der Westseite, bei denen ich durch die extremen Hell-/Dunkelübergänge teilweise nicht erkennen konnte, ob etwas auf der Straße liegt. Da hilft nur rechtzeitiges Gas weg vor dem Tunnel, sofern man nicht zu früh seinen Schöpfer treffen möchte.

Stilfser JochEbenfalls nicht ohne ist der sehr schlechte Straßenzustand auf der Ostseite. Mit Sicherheit spielte auch der nachlassende Zustand meiner Gabelfedern eine Rolle, mit 50.000 Kilometern waren sie nicht mehr die Jüngsten. Ein beim Anbremsen über eine Bodenwelle springendes Vorderrad durfte ich mehr als zweimal erleben. Ducatisti, deren Federung nur zwischen hart, sehr hart und abartig hart einzustellen ist, dürften gehärtetes Sitzfleisch benötigen.

Stilfser JochAber nicht nur das: auch meine Hinterradbremse schwenkte auf der Abfahrt die weiße Fahne. Ich hatte im Vorfeld mehrfach gelesen, dass erfahrene Alpenfahrer die Serpentinen mit der Hinterradbremse kontrollieren – eine Fahrweise, die von den Schweizer Kollegen mit den Worten „wie sonst” bestätigt wurde. Ich hatte bereits im Schwarzwald angefangen meine Fahrweise umzustellen und das Fahren mit der Hinterradbremse sehr schnell lieb gewonnen. Gerade enge Serpentinen lassen sich damit sehr rund und sauber fahren.

Die Straße vom Passo dello Stelvio in das östliche Tal hat mehr Serpentinen als viele andere Pässe zusammen. Fröhlich jauchzend genoss ich die Abfahrt auf der zu der frühabendlichen Zeit quasi leeren Straße, als ich auf halber Höhe merkte, wie die Bremswirkung hinten plötzlich nachließ. Ich schaltete sicherheitshalber sofort in den zweiten Gang runter und lies die Bremsarbeit weitgehend vom Motor erledigen, eine Kurve später konnte ich das Bremspedal bis zum Anschlag durchtreten, ohne irgendeine Bremswirkung am Hinterrad zu spüren. Ich entschied mich zum langsamen Weiterrollen, einige Kilometer später kam die Bremswirkung zurück.

Abfahrt vom Stilfser JochDie letzten Kilometer bis Spondigna sind wie eine Talstraße – schön und flott zu fahren. Über Malles fuhr ich dann über eine gut ausgebaute und ebenfalls flott zu fahrende Straße zum Reschenpass. Wer am nördlichen Ende des Sees angekommen ist, sollte auf dem Parkplatz hinter dem Tunnel eine kleine Pause machen. Zum einem um sich bewusst zu machen, dass er eben den Reschenpass gefahren ist. Merken tut man das nicht. Es geht ein bisschen hoch und dann etwas geradeaus und enge Kurven gibt es auf der Strecke auch nicht.

Abfahrt vom Stilfser JochDer andere Grund, um hier eine Pause zu machen, befindet sich in dem See. Relativ nah am östlichen Ufer steht ein Kirchturm – in diesem Fall aber nicht auf der trockenen Seite des Ufers, sondern im See. Als Mitte des letzten Jahrhunderts der Reschensee auf italienischer Seite aufgestaut wurde, versank der Ort Graun im Stausee. Der Kirchturm wurde als einziges Gebäude nicht vor dem Aufstauen abgerissen und erinnert heute noch an den Ort, der weichen musste.

Ein Stück weiter nördlich fuhr ich über die Grenze nach Ö?sterreich und folgte der Bundesstraße über Nauders, Pfunds und Prutz bis Fließ. Da ich absehen konnte, dass ich Längenfeld erst in der fortgeschrittenen Dämmerung erreichen würde, überlegte ich kurz über die Autobahn zur B171 zu fahren, hatte mich dann aber doch für die kleine Querverbindung zwischen Fließ und Arlz entschieden. Glücklicherweise!

Der Kirchturm im Reschensee als letzte Erinnerung an GraunEine kleine, schmale Straße führt über einen Bergkamm über Wenns bis Arlz und bietet alles, was ein Motorradfahrer braucht: wenig Verkehr, viele Kurven, guten Belag und eine schöne Landschaft. Die Straße ist auf der Karte nicht als Pass ausgezeichnet, da sie zunächst ansteigt und später wieder abfällt, ist sie für mich aber eine Passstraße. In der Zählung der Pässe in dem Titel des Beitrags habe ich sie jedenfalls berücksichtigt und wenn ich die Wahl hätte zwischen Grimsel und dieser Straße, wäre meine Wahl klar.

Über die Bundesstraßen 171 und 186 erreichte ich Längenfeld im Ö?tztal. Der Empfang war sehr freundlich, die Hausherrin bot mir auch gleich noch einen Platz für das Motorrad in der privaten Garage an. Eine Dusche später saß ich in der Pasteria Piazza, genoss einen Räuchersalat und lies mit zwei bleifreien Weizen eine gelungene, aber mit knapp 570 Kilometern auch anstrengende Tagestour ausklingen. Für den nächsten Tag war nur eine kleine Runde geplant, der mir bislang nur aus Reisemagazinen bekannte Aqua Dome wartete nur wenige hundert Meter hinter der Pension auf mich.

4 Kommentare zum Artikel “9 Pässe, 3 Länder und einmal zollfrei tanken”

  1. Hallo Mephisto!
    Selten so einen super Motorrad-Reisebericht gelesen. Schön gegliedert, schöne Fotos, sehr ausführlich. Vor so viel Fleiß ziehe ich meinen Helm … ich weiß, welcher Idealismus dahinter steht. Vielen Dank für diese Informationen. Ich schaue öfter mal vorbei.
    Ciao, Helmut

  2. Tolle Fotos, toller Bericht! :)

  3. Ich schliesse mich meinen Vorrednern an: super schoener und vor allem ausfuehrlicher Reisebericht mit schoenen Fotos und tollen Tips!
    Gruss
    Alex – Mr.Wheel – http://www.ridexperience.de

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