Sex in der Kunst

Ein paar Zitate aus dem Vorwort einer Ausgabe von Mein heimliches Auge, die ich gerade lese. Geschrieben wurde das Vorwort von der Autorin Claudia Gehrke – es handelt von der Darstellung von Sex in der (nicht nur) deutschen Kultur.

“Pornografie ist, was ‘überwiegend zur Erregung des Geschlechtstriebs’ dient. Dieser Verdacht ruft den Jugendschutz auf den Plan. Wieder wird der Geschlechtstrieb überbewertet. Warum tritt der Jugendschutz nicht auf, wenn in einem Film (frei ab 12) alle paar Minuten Koks geschnupft wird…”

“Morden ist in der Bilderwelt unserer Kultur weit eher erlaubt als Vögeln.”

“Die herkömmliche Pornosubkultur muß abgelöst werden durch eine sexualkulturelle Vielfalt. Es fehlt fast immer die Verbindung von narrativen und pornografischen Elementen.”

Stimmt im Grundsatz, könnte man jetzt sagen – stimmt schon lange. Das Vorwort ist nicht aus der aktuellen Ausgabe sondern aus dem Band III von 1988. Wer im Jahre 2006 eine Szene mit expliziter Darstellung des Aktes sehen möchte, darf sich immer noch – wenn man von Ausnahmen wie 9 Songs absieht – in dem abgegrenzten Teil der Videothek umschauen. Warum klafft die große Lücke zwischen erzählstarken Filmen mit züchtigen Darstellungen und dem mehr oder minder handlungslosen Dreilochgestochere?

3 Kommentare zum Artikel “Sex in der Kunst”

  1. Weil zu viele Männer beim Film arbeiten, und die, die dort tätig sind, beim Thema “Sex” einfach ihr Hirn ausschalten und die Erzählung für unwichtig halten?
    - Ich weiß es nicht!

    Aber: Den Hinweis auf “9Songs” fand ich viel versprechend. Kennst du noch andere Filme mit starken narrativen Elementen UND dem anderen …?
    (“narrativ” – Das Wort gefällt mir. ;> )

  2. Das Wort “narrativ” mußte ich erst einmal nachschlagen, mir sagte das nichts ;-)

    Zum Thema andere Filme: nein, wenn es um die explizite Darstellung von Sex geht, fällt mir aus dem “9 Songs” kein vergleichbarer Film ein. Allenfalls noch “Baise Moi” (eine Szene im Mittelteil, soweit ich mich noch erinnere), allerdings würde ich den Film weniger in die Rubrik “für erotische Stunden” packen (was “Sex in der Kunst” ja auch nicht impliziert).

  3. scharf ist, wenn ich mit meinem 12 jährigen sohn ins kino gehe, und elementarteilchen schaue…freigegeben ab 12 und die szene im swingerclub bescherte ihm große augen…glaube nicht, dass es ein frühkindliches trauma ausgelöst hat…

    aber….warum einerseits die einstufung von manchen filmen als jugendgefährdend und andererseits die freigabe von dem film ab 12? das hat doch genauso was mit kommerz zu tun, wie die hp-streifen und die diskussion, wieviel gewalt ist okay…

    fazit: wenn damit der kassenschlager gefährdet wird, gelten andere regeln…

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