Früher war ich auch fast immer ein braver Bub
So so… da will also jemand meine Jugendsünden wissen – wenn ich das Thema richtig interpretiere. Nicht nur das, in einem Zustand temporärer Verwirrung habe ich das Stöckchen sogar aufgenommen. Das Suchen nach den Sünden der Jugendzeit hat sich zunächst auch gar nicht so einfach gestaltet. Meine Bravheit habe ich ähnlich Frau Dezentral erst spät abgelegt. Irgendwann kam die Uni und die ´Welt´ wurde eigentlich erst dann größer, sie wächst erfreulicherweise heute noch.
Die erste Sünde, die mir einfällt, stammt aus der Kindheit. Es war zu Zeiten der Grundschule, ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt. Ich las bereits damals gerne, allerdings noch keine düsteren Krimis und lebensnahe Dramen sondern in der bunten Welt der Comics. Donald Duck, Micky Maus, Clever & Smart – leider reichte das Taschengeld nicht, um die Bedürfnisse zu stillen. Einen Hang zu kreativen Lösungen hatte ich wohl damals schon, wenn man kein Geld hat, kann man halt nicht zahlen. Irgendwann wunderte sich meine Mutter über zwei neue Comics und die Tränen in meinen Augen waren Geständnis genug. Es gab keine Haue, dafür mußte ich in das Geschäft gehen, dem Ladenbesitzer unter Tränen mein Vergehen gestehen und die beiden Comichefte zahlen. Ich habe mich zu Boden geschämt und nie wieder etwas geklaut. Die zuvor “erstandenen”, gut versteckten 10 bis 20 Comics hatte ich aber behalten.
Im Alter von vielleicht zehn Jahren habe ich mit einem Freund eine Bude gebaut. Als Material dienten alte Paletten von Firmen, Glasscheiben vom Abfallberg einer Glasfabrik und sonstige verwertbare Gegenstände. Die Bude diente zusammen mit unserer Fantasie für zahlreiche Abenteuer. Für die Soundkulisse war ebenfalls gesorgt, nur drei Meter weiter lief ein Gleis vom Hauptgüterbahnhof in Braunschweig vorbei. Die Bahnpolizei fand unsere Spiele nicht so lustig wie wir. Zwei- oder dreimal konnten wir rechtzeitig abhauen, einmal klappte es nicht. Wir wurden in einem Polizeiauto nach Hause gefahren, die Bude war am nächsten Tag weg und eine neue haben wir auch nicht gebaut.
Es war meines Wissens kurz vor meinem 14. Geburtstag, als ich in einer Dusche auf einem Campingplatz am Lago di Maggiore das erste Mädchen geküßt habe. Es war die Urlaubsfreundin eines befreundeten Holländers und er hat mir verbittert vorgeworfen, ihm die Freundin ausgespannt zu haben. Ich sah es gelassener und kann heute zu meiner Entschuldigung höchstens vorbringen, dass der erste Kuß von ihr ausging. Ich habe dann nie wieder jemanden eine Frau ausgespannt, zumindest keinem Mann (und die andere Geschichte kommt nicht ins Blog).
Mein Vater hat damals bei einer technischen Überwachungsbehörde gearbeitet und war sehr darauf bedacht, dass sich das Mofa seines Sohnes in einem ordnungsgemäßen Zustand befindet. Im ersten Winter sammelte sich im Luftfiltergehäuse Wasser, Abhilfe schaffte ein von ihm gebohrtes 1 mm großes Loch an der Unterseite. Schneller wurde sie dadurch nicht, knapp unterhalb von 30 km/h war Schluß. Irgendwann war das Loch 12mm groß und das Teil rannte 45 km/h. Vermutlich hat er es irgendwann mitbekommen und nur aus Stolz auf die Unbravheit seines eigenen Fleisch und Blutes nichts gesagt.
Alkoholsünden gab es nicht nur in der Jugend welche – dass ich sturzbetrunken über ein offenes Gartentor geklettert bin, um mich in dem hohen Gras im Garten meiner Großeltern zur Ruhe zu legen, passierte nur einmal. Meine Großmutter, die die Kletterei fassungslos beobachtet hatte, fand mich hinter dem Haus und holte Hilfe – aufgewacht bin ich einige Stunden später auf einer Liege.
Mein Vater spendierte mir, nachdem ich ungefähr 6 bis 9 Monate Fahrpraxis mit meinem ersten Auto hatte, ein ADAC Sicherheitstraining. Mich faszinierte, wie einfach man ein Auto mit der Handbremse drehen kann. Das Verfahren wurde auf freien Plätzen optimiert, bis ich irgendwann in der Lage war, in eine drei bis vier Plätze große Parkplatzlücke unter den entsetzten Blicken braver Bürger einzuparken, indem ich das Auto auf der Zufahrt mit quietschenden Reifen gedreht habe. Ständiges Üben macht den Meister – einmal ging es fast schief. Beim Versuch das Auto auf einer Straße zu drehen, hatte das Heck mehr Gripp als erwartet. Statt mich um 180 Grad zu drehen und den Blick in die gewünschte Richtung zu kriegen drehte ich mich nur um 90 Grad und sah nach dem Sprung über den Bordstein hinter einem Rasenstreifen einen Gartenzaun viel zu schnell auf mich zukommen. Irgendwie kriegte ich das Auto quer, der Gartenzaun hat es knapp überlebt. Dafür befand sich eine größere Menge Gras zwischen einem Reifen und der Felge. Mein Vater kriegte das natürlich mit, der väterliche Stolz war aber auch hier größer als der Unmut.
Ich denke, dass reicht für das Stöckchen. Sonst war ich natürlich immer brav und der nette Junge von nebenan. Das Stöckchen werfe ich auch keinem zu, allerdings in den Weg – erhöhte Stolpergefahr. Falls Babs, Wintermond, Morgiane oder Momente darüber stolpern, fände ich das äußerst interessant. Ansonsten ist das Stöckchen natürlich öffentlich: wer stolpert soll das tun und hier einen Trackback oder Kommentar hinterlassen.


Link zum Kommentar
na danke für die anregung, was ich mit meiner freien zeit anfange…muß mal ein bisschen nachdenken…und das ergebnis?…wird sich dann zeigen ;o)
aber wie war das? ich bin doch ganz harmlos…
Link zum Kommentar
Das sind doch nur Krümel, dazu da, den braven Buben aufrecht zu erhalten. Die interessanten Geschichten verschweigst du auch weiterhin, zum Beispiel die, wann du keinem Mann die Frau ausgespannt hast.
Braver Bub? Na gut. Erstmal. Aber noch ist nicht aller Tage Abend. :)
P.S.: Väterlicher Stolz… den Hosenboden hätte er dir mal lieber … nein, nein, ist schon gut so… ;)
Link zum Kommentar
Ich weiß nicht, was du hast: ich spanne ständig keinem Mann die Frau aus :-)
Link zum Kommentar
‘nem Freund die Freundin ausspannen. Du bist mir vielleicht einer! ;>
Aber insgesamt bist wohl auch ein braver Kerl gewesen. Fast so wie ich:
Mein Herz ist so rein… ich werde tief im Verborgenen graben müssen.
Die Fundstücke werden dann in den nächsten Tagen präsentiert.
Link zum Kommentar
da bin ich ja mal auf die anderen schilderungen gespannt….ich habe das stöckchen abgenagt und weggelegt…
Link zum Kommentar
Was soll ich sagen? Ich schau mir überall die Ergenisse von diesem Stöckchen an, und da tun sich wahre Abgründe auf.. ;-)
Link zum Kommentar
Abgründe? Ich bin brav! Absolut. Ein Mann aus der Bus-Schublade (Brav, unschuldig, schüchtern). Das ist so, damit muß ich mich abfinden.
Link zum Kommentar
war das nicht eher, böse, unbändig und sexy?….
Link zum Kommentar
Hmm… ich sag’ besser nix mehr, man glaubt mir ja eh nicht *schnief*
Link zum Kommentar
Oh. Und ich ging davon aus, wegen keinem Mann die Frau ausspannen, dass du damit gemeint hast, dass du höchstens einer Frau die Frau weggenommen hast. Gebt meiner überbordender Fantasie Handschellen.
Okay. Ich geh in den dunklen Keller meiner Seele und tobe mich demnächst schriftlich aus.
Link zum Kommentar
Ich bin kein Freund von Käfigen, erst recht nicht im Geiste. Ich habe daher auch keine Handschellen. Gut, die könnte man auch andersweitig verwenden, aber das ist auch nicht mein Ding :-)